Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Istanbul getroffen. Es war das erste bilaterale Spitzentreffen dieser Art seit Jahrzehnten – begleitet von der Hoffnung auf eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Paschinjan sprach nach dem Treffen von einem «tiefgehenden Austausch» über den «armenisch-türkischen Normalisierungsprozess».
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Das türkische Präsidialamt bestätigte, dass auch der Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie der Krieg zwischen Israel und dem Iran zur Sprache kamen. Der geopolitische Kontext ist brisant: Der Iran grenzt sowohl an die Türkei als auch an Armenien und spielt in der Sicherheitsarchitektur der Region eine zentrale Rolle.
Anlass für das Treffen war eine persönliche Einladung Erdogans. Armeniens Parlamentssprecher Alen Simonjan hatte den Besuch im Vorfeld als «historisch» bezeichnet. Hintergrund ist ein bemerkenswerter Kurswechsel Jerewans: Anfang des Jahres hatte Paschinjan angekündigt, dass Armenien seinen internationalen Einsatz für die Anerkennung des Massakers an den Armeniern von 1915 als Völkermord einstellen werde – ein bedeutendes Zugeständnis an Ankara, das in Armenien selbst auf massive Kritik stiess.