Heute feiert der Meister der Prä-Astronautik seinen 90. Geburtstag. Egal, ob man seine Thesen teilt oder nicht: Er hat Millionen von Menschen für antike Kulturen und Mythologien begeistert. Das muss man können. Er kann es.
Die Weltwoche würdigte ihn im Januar 2024 und führte im Dezember 2024 das vorläufig letzte Interview mit ihm.
Karl-Heinz Hug
Immer zahlreicher werden die Beobachtungen von nicht identifizierten Flugobjekten und entsprechend vielfältig die spekulativen Interpretationen. Auch Donald Trump äusserste sich wiederholt zu Ufos und Aliens. Seine stets vagen Aussagen wurden häufig als «nichts dementieren, nichts bestätigen»-Taktik interpretiert.
Auf die Frage nach dem berühmten Roswell-Zwischenfall sagte er im Juni 2020: «Ich werde Ihnen nicht sagen, was ich darüber weiss, aber es ist sehr interessant.» Und im gleichen Jahr: «Wir haben Dinge, die ihr noch nie gesehen oder von denen ihr noch nie gehört habt. Wir haben Dinge, von denen Putin und Xi noch nie etwas gehört haben. Niemand. Was wir haben, ist unglaublich.»
In einem Gespräch mit Lex Fridman (September 2024) versprach er damals, im Falle seiner Wiederwahl geheime Ufo-Videos zu veröffentlichen. Auf die Frage, ob er das Pentagon zur Freigabe drängen würde, antwortete er: «Oh ja, sicher, ich würde das tun. Ich würde das tun. Ich würde das lieben. Ich muss das tun.»
Und einen Monat später sagte er in einem Interview mit Joe Rogan, er habe mit Kampfpiloten gesprochen, die «sehr seltsame Dinge» gesehen hätten – darunter kugelförmige Objekte, die viermal «schneller als ein F-22-Jet flogen», und fügte hinzu: «Ich habe nie wirklich daran geglaubt, aber es gibt keinen Grund, es nicht zu glauben.»
Trumps Aussagen über überlegene Waffen folgen dem klassischen Drehbuch strategischer Abschreckung. Seine Äusserungen zielen eher darauf ab, potenzielle Gegner (wie Russland oder China) im Unklaren über tatsächliche militärische Fähigkeiten zu lassen – ein bewusstes Spiel mit Andeutungen, das seit dem Kalten Krieg gängige Praxis ist und Teil von Donald Trumps praktizierten Schocktherapien. Diese geopolitische Abschreckungs-Rhetorik hat keinen direkten Zusammenhang mit Ufos.
Das mindert die Leistung des 90-jährigen Erich von Däniken in keiner Weise. Solange nicht absolute Gewissheit herrscht, bleibt die Tür offen für alle möglichen Interpretationen. Und somit auch für intergalaktische Fantasien. Erich von Däniken als Spinner abzutun, wäre jedoch unfair.
Im Interview, das die Weltwoche vor fünf Monaten in Interlaken führte, zeigte der Meister keine Spur von Altersmilde, er sprühte nur so von Energie, Neugierde, Wissendurst, zitierte druckreif aus allen möglichen vortestamentarischen Schriften und sparte nicht mit Selbstironie. Wir trafen einen charismatischen Mann mit grossem Herzen. Happy Birthday, Erich von Däniken!
Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel. Vom 1. bis zum 8. Mai stellt die Basler Galerie «Sarasin Art» einige seiner Dioramen zum Thema Prä-Astronautik aus.