Immer mehr Deutsche wollen wissen, wofür ein Unternehmen politisch steht – und ziehen daraus Konsequenzen für ihr Einkaufsverhalten. Laut einer aktuellen Insa-Umfrage, über die Apollo News berichtet, wünschen sich 50 Prozent der Befragten eine klare Haltung von Firmen, vor allem gegenüber der AfD: 34 Prozent wollen eine Ablehnung, 16 Prozent Unterstützung. Nur 38 Prozent fordern politische Neutralität.
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Tatsächlich richtet bereits jeder Vierte seine Konsumentscheidung nach der politischen Ausrichtung eines Unternehmens aus. Die Mehrheit bleibt allerdings pragmatisch: 52 Prozent kaufen unabhängig von Haltung oder Parteiposition.
Auslöser der Debatte ist ein Interview mit DM-Chef Christoph Werner. Er hatte es als «vertretbar» bezeichnet, dass Wirtschaftsverbände den Dialog mit der AfD suchen. Die Reaktion folgte prompt: Kritik in sozialen Medien, Boykottaufrufe, Druck auf das Unternehmen. Rossmann-Chef Raoul Rossmann sprang seinem Konkurrenten bei, wofür er später selbst angegriffen wurde. Obwohl er den Unternehmerverband verlassen hatte, lobte er Werners «aufrechte Haltung». Rossmanns Firma sah sich daraufhin mit Boykottdrohungen konfrontiert.
Die Zahlen zeigen ein widersprüchliches Bild: Viele Kunden fordern von Unternehmen eine klare Haltung, doch nur ein Teil macht den Einkauf tatsächlich davon abhängig. Für Firmen entsteht daraus ein Balanceakt – zwischen dem Wunsch, politisch Position zu beziehen, und dem Risiko, bei klarer Haltung an den Pranger gestellt zu werden.