Kroatien hat siebzehn Jahre nach ihrer Abschaffung die Wehrpflicht wieder eingeführt. Rund 800 Rekruten haben nun ihre Grundausbildung in drei Kasernenstandorten im Land begonnen, wie das Verteidigungsministerium in Zagreb mitteilt. Sie werden dort während rund zweier Monate militärisch ausgebildet.
Ein Teil der Ausbildung umfasst klassische militärische Grundlagen, daneben auch neue Fähigkeiten wie den Umgang mit Drohnen, deren Abwehr sowie erste Kenntnisse in der Cyberverteidigung. Bis Ende Jahr sind weitere Ausbildungsdurchgänge geplant. Langfristig will Kroatien jährlich rund 4000 Rekruten ausbilden.
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Auffällig ist die Bereitschaft vieler junger Menschen zum Dienst: Etwa die Hälfte der Stellungspflichtigen meldete sich laut BBC freiwillig, noch bevor eine offizielle Einberufung verschickt wurde. Rund 10 Prozent der Rekruten sind zudem Frauen – obwohl für sie keine Wehrpflicht gilt.
Nur etwa zehn Personen verweigerten laut Behörden den Militärdienst. Sie müssen stattdessen einen viermonatigen Zivildienst leisten und erhalten dafür weniger als die Hälfte der monatlichen Entschädigung von rund 1100 Euro, die Rekruten im Militär bekommen.
Die Wehrpflicht war in Kroatien 2008 abgeschafft worden. Mit der Wiedereinführung reagiert die Regierung auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Verteidigungsminister Ivan Anusic begründet den Schritt insbesondere mit dem Krieg in der Ukraine und zunehmenden geopolitischen Spannungen.