Da waren Dilettanten am Werk. Ganz offensichtlich.
Nicht bloss vergassen die Louvre-Räuber am Tatort ihre «Arbeitskleidung» – eine gelbe Bauweste – und einen Möbelaufzug sowie die Winkelschleifer, mit denen sie das Fenster und die Vitrinen zerschnitten hatten.
Nein, sie liessen auch das Herzstück ihres Beutezugs zurück. Die Krone von Kaiserin Eugénie, der Frau Napoleons III., aus dem Jahr 1855 mit fast 1400 Diamanten und 56 Smaragden. Beschädigt wurde sie auf der Strasse vor dem Museum gefunden.
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Überhaupt: Was wollen die Ganoven mit dem exklusiven Diebesgut? Alle Welt hat von dem spektakulären Raub erfahren. Da lässt sich doch die Beute nicht verscherbeln, denkt der Laie.
Weit gefehlt. Für historisches Diebesgut gibt es einen lukrativen Markt.
«Ein milliardenschwerer globaler Schwarzmarkt handelt mit Gold, Diamanten und Juwelen, die aus Museen und Privatsammlungen gestohlen wurden», schreibt das Wall Street Journal.
Im Zwielicht der Unterwelt von Dubai über Delhi bis Antwerpen gibt es Juweliere, die bereit sind, Edelsteine zu verkleinern und umzuschleifen, damit sie nicht mehr erkannt werden und so auf dem Schwarzmarkt feilgeboten werden.
«Im Gegensatz zu Picasso-Gemälden oder Rolex-Uhren können gestohlene Edelsteine aus ihren Fassungen gelöst und ihre Goldfassungen eingeschmolzen werden, da solche Waren ihren Wert als Edelmetalle und Edelsteine behalten», so das Journal weiter.
Offenbar handelt es sich dabei um ein boomendes Geschäft.
Laut dem FBI setzt ein geheimes globales Netzwerk jährlich gestohlene Kunstschätze im Wert von mehreren Milliarden Dollar um. In den letzten Jahren kam es zu einer Reihe von Golddiebstählen in ganz Europa. Kenner begründen den Trend mit dem steigenden Goldpreis auf den Rohstoffmärkten.
Doch die Louvre-Räuber werden trotz lukrativem Trend und Edelraubgut wohl kaum klingende Kasse machen. Diebe würden selten mehr als 10 Prozent des Marktwerts eines gestohlenen Edelsteins erhalten, erklären Raubexperten. Unter anderem weil sie ihren Anteil unter Verbrecherkollegen teilen müssen. Und weil sie Mitwisser mit Schmiergeld ruhig stellen müssen.
Was allerdings nicht garantiert, dass früher oder später ein Eingeweihter singt und die Diebe ans Messer liefert.
Das bringt die Kronjuwelen allerdings nicht wieder zurück in die Vitrinen. Geprellt sind die Besucher. Sie dürften künftig wohl nur nach Vorweisen einer ID in den Louvre zugelassen werden.