Moderne Herrscher treffen Entscheidungen nicht allein. Daher war das Gerede von «Putins Krieg» immer Schwachsinn. Es redet ja auch niemand von «Trumps Krieg» im Iran.
Beide sind von Beratern umgeben, die mehr oder weniger direkten Zugang haben. Trump und Putin müssen ihre Entscheidung in Abstimmung mit ihnen treffen. Oder sich darüber hinwegsetzen.
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Im Kreml gibt es viele Scharfmacher. Sie raufen sich die Haare, warum das in der Ukraine so lange dauert. Tatsächlich sähe es anders aus, wenn Putin vom ersten Tag an zugeschlagen hätte wie Israels Premier Netanjahu in Gaza.
Der Kreml-Chef ist ihren Einflüsterungen nicht erlegen. Er kennt die Risiken für den Weltfrieden, er weiss, dass die Ukraine und Europa auch nach dem Krieg seine Nachbarn sein werden. Er bleibt rational. Er weiss, was er will und wie er es erreichen kann.
Anders bei Trump. Der Angriff auf den Iran widerspricht seiner Politik und seinem Naturell. Aber bei ihm haben sich wohl die Scharfmacher durchgesetzt. Die Folge: Er weiss weder, was er will, noch, wie er aus dem Schlamassel wieder herauskommt.