Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht dasselbe. Aber auch wenn zweien Ähnliches widerfährt, gibt es offenbar Unterschiede – meint jedenfalls Polens Regierungschef Donald Tusk.
Nachdem auf der Bahnstrecke von Warschau Richtung Ukraine ein Sprengsatz explodiert war, schien er kurz vor dem nationalen Notstand. Ein «beispielloser Sabotageakt» sei dies, ein Angriff auf Polens Sicherheit. «Sehr schnell» werde man die Täter finden.
PAWEL SUPERNAK / KEYSTONE
Gut so. Doch wenn es andere trifft, ist Tusk nicht so streng. Die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee etwa war für ihn kein Problem. «Das Problem ist, dass sie gebaut wurden.»
Hier gibt es sogar einen mutmasslichen Täter, einen Ukrainer. Er sitzt in Polen in Haft, und Deutschland will ihn ausgeliefert sehen.
Nicht mit Tusk: «Es liegt sicherlich nicht im Interesse Polens und im Interesse eines Gefühls von Anstand und Gerechtigkeit, diesen Bürger anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern.»
Freundlich klingt das nicht. Aber was heisst schon Freundschaft? Historische Erfahrungen haben bei Polen tiefe Ressentiments gegen ihre mächtigen Nachbarn hinterlassen.
Gegen Russen. Aber auch gegen Deutsche.