Europas grösster Autobauer, Volkswagen, eben noch geplagt von Überkapazitäten, Produktivitätssorgen und Softwareproblemen, fährt mit einmal wieder Sonderschichten: Ausgerechnet im Stammwerk in Wolfsburg, dort, wo die Autos mit Verbrennungsmotor gebaut werden, haben sich Management und Betriebsrat auf Zusatzschichten geeinigt, die bis zu den Werksferien im Juli gelten sollen.
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VW baut in Wolfsburg die Verbrenner-Modelle Tiguan, Golf, Touran sowie den siebensitzigen Tayron. Allein in der Montage werden sechzehn Sonderschichten angesetzt, weitere kommen in Karosseriebau und Lackiererei hinzu. Begründet wird das mit der «aktuellen Programmsituation», heisst es in einem internen Schreiben.
Die «Programmsituation» sieht so aus: Verbrenner-Modelle haben in der EU bei den Neuzulassungen im ersten Quartal einen Marktanteil von 85 Prozent. Nur etwas mehr als jedes sechste neue Auto ist ein elektrisches. Tendenz steigend.
Alle anderen landen aber nach wie vor mit einem Benzin- oder Dieselantrieb neu auf die Strasse. Immer mehr Kunden kommen zwar ins Grübeln, wenn sie sich für einen Neuwagen entscheiden sollen. Eine klare Mehrheit in Europa will bislang aber doch den hergebrachten Antrieb.
In Deutschland wird sich das so schnell auch nicht ändern, weil die sich abzeichnende Regierungskoalition eher für eine Renaissance des Verbrennungsmotors sorgt: Sie will zwar die steuerliche Förderung für E-Autos verbessern, doch davon profitieren vor allem gewerbliche Käufer und Dienstwagenfahrer. Ob bei Privatwagenkäufern irgendeine zusätzliche Förderung ankommt, steht in den Sternen.
So kommt es, dass jene VW-Werke, die bewährte Bestseller produzieren, ihre Kapazitäten hochfahren, und sich jene, die an Nischen- und Elektrofahrzeugen hängen, den Kopf über ihre Zukunft zerbrechen.
Zum Beispiel des VW-Cabrio-Werk in Osnabrück, wo die Spekulationen bis zu der These reichen, dass dort künftig Panzer oder zumindest Militär-Geländewagen gebaut werden könnten. Schlimm finden das nur die Ideologen.
Der Rest sagt: Die Kunden entscheiden, was sie wollen. Das VW-Management jedenfalls hat das verstanden.