Die EU bleibt trotz massiver Investitionen in erneuerbare Energien weiterhin stark von Energieimporten abhängig. Laut einer Analyse von Euractiv liegt der Importanteil heute wie bereits vor zwanzig Jahren bei rund 60 Prozent – trotz Investitionen von bis zu einer Billion Euro in den Ausbau von Wind- und Solarenergie.
Delcia Lopez/Keystone
Der Bericht zeigt: Der Grund liegt nicht im Ausbau der Stromproduktion, sondern in der schleppenden Elektrifizierung von Industrie und Infrastruktur. Zwar schöpft Europa die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen. Doch der Löwenanteil des Energiebedarfs liegt ausserhalb des Stromsystems. Vor allem Verkehr, Heizung und Industrie basieren nach wie vor auf fossilen Energieträgern. Autos fahren mehrheitlich mit Benzin oder Diesel, Gebäude werden mit Gas oder Öl beheizt, und viele industrielle Prozesse benötigen fossile Stoffe direkt als Energiequelle oder Rohstoff. Elektrische Alternativen wie E-Autos oder Wärmepumpen kommen währenddessen nur langsam voran.
Hinzu kommt eine zweite Entwicklung: Europa hat die Förderung von eigenem Öl und Gas im Zuge der Energiewende deutlich zurückgefahren. Daraus entsteht ein doppeltes Ungleichgewicht: Eigene Quellen versiegen oder werden politisch stillgelegt, die Nachfrage bleibt jedoch hoch. Die Lücke zwischen sinkender Eigenproduktion und weiterhin hohem Verbrauch wird durch Importe geschlossen.
Die Folge zeigt sich besonders in Krisen: Steigen die Preise auf den Weltmärkten, sind Kernteile der europäischen Industrie nach wie vor stark betroffen. Der Kontinent produziert zunehmend «grünen» Strom, kann ihn aber nicht dort einsetzen, wo der Energiebedarf am höchsten ist.