Am Dienstagabend wehten zwei Flaggen vor dem Berner Casino: die schweizerische und die chinesische. Der Anlass im Grossen Saal liess nichts zu wünschen übrig.
Nach der Eröffnungsrede des neuen chinesischen Botschafters – Qian Minjian – präsentierte ein chinesisches Ensemble traditionelle Musik auf höchstem Niveau, visuelle Liveprojektionen erzählten bildgewaltig von Geschichte und Zukunft der bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und China. Am Schluss spiegelte ein opulentes Buffet die kulinarische Vielfalt Chinas wider. Dort trafen sich zahlreiche Botschafter aus Ländern des globalen Südens. Als Ehrengast des Abends galt FDP-Ständeratspräsident Andrea Caroni.
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Gefeiert wurde ein Ereignis, das mit zwei Unterschriften begann: mit derjenigen des damaligen Aussenministers Max Petitpierre und jener von Chinas Kommunistenführer Mao Zedong.
Am 14. September 1950 hat die Schweiz als eines der ersten westlichen Länder die Volksrepublik China offiziell anerkannt. Man muss wissen, dass das damalige China infolge von Wirtschaftssanktionen vonseiten der USA ein isoliertes Dasein fristete. Aus diesem Grund erhoffte sich die neutrale Schweiz womöglich einen potenziellen Markt im Fernen Osten für sich zu gewinnen.
1974 folgte ein bedeutendes Handelsabkommen. Sechs Jahre später beteiligte sich das Schweizer Industrieunternehmen Schindler am ersten industriellen sino‑ausländischen Joint Venture in China.
2013 schloss die Schweiz als erstes kontinentaleuropäisches Land ein Freihandelsabkommen mit Peking ab. Die ausserordentlich guten Beziehungen zwischen beiden Ländern ermöglichten es Schweizer Unternehmern schon sehr früh, in einem Land Fuss zu fassen, das dem Westen noch gänzlich fremd war. So machte sich denn der Schweizer Uhrenhersteller Rado in den siebziger Jahren als erste ausländische Uhrenmarke durch einen Werbespot im chinesischen Fernsehen einen Namen.
Um den fruchtbaren bilateralen Beziehungen neuerlichen Aufwind zu verleihen, lud die chinesische Botschaft zum eingangs erwähnten Event im Casino. Man hatte sich viel Mühe gegeben, Pressemitteilungen und Einladungen verschickt. Vertrauen und Respekt erhofft. Das Resultat: kein einziger Journalist – ausser Roger Köppel. Die Schweiz glänzte durch Absenz und Ignoranz. Ein historisches Ereignis erhält keinen Platz in der SMD (Schweizer Mediendatenbank).
Ist das noch Journalismus? Ist das noch Diplomatie?