Zum 1. Januar steigt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland von derzeit 12,82 auf 13,90 Euro pro Stunde. Noch bevor die Erhöhung in Kraft tritt, warnt der Steuerzahlerbund (BdSt) vor einer massiven steuerlichen Mehrbelastung für Geringverdiener. «Wer als Single in Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, zahlt damit rund 450 Euro mehr Steuern im Jahr», sagte BdSt-Präsident Reiner Holznagel der Bild.
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Laut Berechnungen des Verbandes erhöht sich die Steuerbelastung für Vollzeitbeschäftigte im Niedriglohnsektor um bis zu 29 Prozent. Der Grund ist die Progression – wer mehr verdient, zahlt anteilig höhere Steuern. Besonders stark wirke sich das bei kleineren Einkommen aus.
«Der grösste Profiteur der Mindestlohn-Erhöhung ist der Staat», so Holznagel. Zugleich kritisiert er den politischen Umgang mit dem Thema. Die Anhebung des Mindestlohns erhöhe den Druck auf Betriebe, da wegen des Lohnabstandsgebots auch andere Gehälter steigen müssten.
Statt immer neue Lohnanpassungen zu beschliessen, fordert der BdSt eine grundlegende Steuerreform. Davon könnten «kleine und mittlere Einkommen wirklich profitieren». Die Bundesregierung aus Union und SPD plant eine solche Reform allerdings erst zur Mitte der laufenden Wahlperiode – frühestens 2027.