Dem Jubel über den Deutschen Buchpreis 2022 für den seltsamen Vogel Kim de l’Horizon mit standing ovations habe ich noch beigewohnt. Dass die Ehrung der «genderfluiden nichtbinären schweizerischen Person» etwas mit Literatur zu tun hatte, ist schwer nachzuvollziehen. Aber die hochmögenden Damen und Herren wollten gewiss ein Zeichen setzen.
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Die Innovation von 2023 (75-Jahr-Feier) war das Verschieben sozusagen «rechter» Verlage in eine Seitengasse. Statt bei anderen Blättern wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der Zeit hat der Veranstalter etwa der Jungen Freiheit einen Randplatz bei den Kinderbüchern zugewiesen.
Angeblich wollte man dadurch eventuelle Protestaktionen besser in den Griff bekommen. Das lockte erst einmal vor allem die Journalisten. So eine Brüllorgie der Antifa ist ja stets unterhaltsam.
Das Ganze wurde nur noch getoppt von der Leipziger Messe 2024, als bei der Eröffnung die «Kulturbourgeoisie» Pappdeckel hochhielt, auf denen «Demokratie wählen jetzt!» stand.
Ich war längst weg – obwohl ich seit 1971 jedes Jahr dabei war. Die Veranstalter und Verlegerpromis schauen mittlerweile wie humorlose Moralisten aus, eine steuerfinanzierte Blase, ohne Fantasie und Toleranz, die sich zum «Gottesdienst der gleichförmigen Denker» (Roger Köppel) versammelt.
Doch nun wird alles gut: «Rechte» Verlage meiden neuerdings die Messen in Frankfurt und Leipzig. Sie werden im November nach Halle ziehen – zum «Seitenwechsel», wie die von der Buchhändlerin Susanne Dagen gegründete Messe heisst.
Hoffentlich wird dort auch wieder guter Wein ausgeschenkt.