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Goldgierige Kantone: Jetzt wollen alle vom Gewinn der SNB profitieren – obwohl sie 2014 die Goldinitiative der SVP abgelehnt haben

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Goldgierige Kantone: Jetzt wollen alle vom Gewinn der SNB profitieren – obwohl sie 2014 die Goldinitiative der SVP abgelehnt haben
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Nach dem positiven Quartalsergebnis der SNB per September 2025 budgetieren viele Kantone wieder eine Ausschüttung. 2024 schüttete die SNB insgesamt 3 Milliarden Franken aus. Zwei Drittel davon gehen jeweils an die Kantone, ein Drittel an den Bund. Elf Kantone, darunter Bern, Basel-Stadt und der Aargau, erwarten keine Ausschüttung. Von den übrigen fünfzehn Kantonen, die 2026 mit Geld von der SNB rechnen, gehen acht Kantone davon aus, dass sie im Vergleich zum Budget 2025 nächstes Jahr gleich viel oder weniger Geld von der SNB erhalten werden. Darunter sind Zürich, Graubünden oder Schaffhausen.

STR / KEYSTONE
Goldtresor der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Bern, aufgenommen Anfang 1997
STR / KEYSTONE

Ein Blick auf die Ertragsquellen in den ersten drei Quartalen zeigt, dass das Ergebnis ausschliesslich dem stark angestiegenen Goldpreis zu verdanken ist. Der Erfolg aus Gold stellte sich auf 22,9 Milliarden. Damit konnten die Verluste aus Fremdwährungspositionen (minus 9 Milliarden) und aus Frankenpositionen (minus 0,9 Milliarden) mehr als wettgemacht werden. Es verblieb ein Bruttoerfolg von fast 13 Milliarden. Aber jeder Anleger weiss, dass der Goldpreis zumindest temporär auch wieder korrigieren kann, obwohl vieles für einen weiter steigenden Goldpreis spricht. Vor allem Notenbanken, aber auch Private misstrauen der Politik immer mehr. Anleger versuchen sich mit Goldkäufen gegen die Inflation und Währungsverluste zu schützen. Notenbanken sind nicht mehr bereit, die Staatsschulden anderer Länder zu finanzieren, indem sie deren Staatsanleihen aufkaufen und damit sogar noch eine Beschlagnahmung dieser Wertpapiere riskieren. Dazu kommt neuerdings eine schnell wachsende industrielle Nachfrage.

Jetzt, wo dank den verbliebenen Goldbeständen SNB-Gewinne in Milliardenhöhe winken, wollen die Kantone plötzlich davon profitieren. Noch 2014 waren alle Kantonsregierungen einstimmig gegen die SVP-Goldinitiative, die eine Aufstockung der Goldreserven der SNB forderte, mit der lapidaren Begründung, die Initiative würde die SNB in «goldene Fesseln» legen, ihre Geldpolitik behindern und die jährlichen Gewinnausschüttungen an die Kantone gefährden. Die Realität zeigt nun genau das Gegenteil. Eine Ausschüttung würde nur dank den Gewinnen auf Gold möglich. Aber selbst im Abstimmungsbüchlein wurden die Stimmbürger in die Irre gleitet: «Gold wirft keine Rendite in Form von Zinsen oder Dividenden ab. Die Gewinnausschüttung der Nationalbank an Bund und Kantone würde entsprechend kleiner.» Der Verzicht auf Ausschüttungen in den vergangenen Jahren war nicht eine Folge der angeblich ertragslosen Goldanlagen, sondern der Währungskäufe und der Investitionen in Fremdwährungsanleihen.

Am 14. November 2014, als das Schweizervolk die «Goldinitiative» ablehnte, lag der Goldpreis bei 36.556 Franken pro Kilo. Wäre die Initiative angenommen worden, hätte die SNB damals etwa 55 bis 60 Milliarden Franken in Gold (rund 1500 Tonnen) investieren müssen, um den Anteil der Goldreserven von damals 7,5 Prozent (Stand: Oktober 2014) auf die geforderten 20 Prozent der Kapitalanlagen zu heben. Aus diesen 60 Milliarden wären bis heute 150 Milliarden geworden. Aber ebenso gravierend war der Fehlentscheid, den Grossteil der einstigen Goldreserven von 2600 Tonnen überhaupt zu verkaufen. Nach dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes am 1. Mai 2000 verschleuderte die SNB bis Ende September 2009 1550 Tonnen zum durchschnittlichen Kilopreis von 17.600 Franken. Hätte sie es behalten, wäre seit damals bis heute ein Gewinn von 125 Milliarden angefallen. Zum Glück blieben wenigstens noch 1040 Tonnen übrig, die per 30. September 2025 bei einem Kilopreis von 98.024 Franken mit 101,9 Milliarden in der Bilanz standen. Seit den Goldverkäufen zwischen 2001 und 2009 resultierte somit ein Gewinn von 83 Milliarden.

Mit den entgangenen Gewinnen hätten nicht nur die Finanzprobleme der AHV teilweise gelöst werden können, auch die Nachrüstung unserer Armee wäre problemlos finanzierbar geworden. Es waren aber nicht nur die SNB-Gewaltigen und die Kantonsregierungen, die extrem teure Fehlentscheide fällten. Jeder Stimmbürger, der damals gegen die «Goldinitiative» stimmte, sollte heute nicht über die entgangenen Gewinne klagen.

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