Die SPD zeigt sich offen für Überlegungen, bei einer möglichen Rückkehr zur Wehrpflicht auch Frauen einzubeziehen. «Wenn wir Gleichberechtigung ernst nehmen, müssen wir auch über die Wehrpflicht für Frauen sprechen», sagte die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Siemtje Möller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Eine Umsetzung sei allerdings nur mit Zweidrittelmehrheit im Bundestag möglich – derzeit nicht in Sicht.
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Wie der Stern berichtet, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zuvor im französischen Fernsehen angekündigt, dass bei unzureichender Resonanz auf das neue freiwillige Wehrdienstmodell ein verpflichtender Mechanismus nötig werde – «eigentlich» auch für Frauen.
Derzeit plant das Verteidigungsministerium unter Boris Pistorius (SPD) den Ausbau der Bundeswehr auf mindestens 260.000 Soldatinnen und Soldaten. Das neue Modell setzt auf Freiwilligkeit. Eine Pflichtlösung sei laut Möller nicht notwendig, der neue Wehrdienst werde ein Erfolg, wenn er «attraktiv gestaltet» werde.
Kritik kam aus der Linksfraktion. Verteidigungsexpertin Desiree Becker sprach von einem «Rückschritt»: «Frauen mit einem Zwangsdienst ein weiteres Jahr ihrer selbstständigen Lebensgestaltung rauben zu wollen, hat nichts mit Gleichstellung zu tun und ist an Zynismus kaum zu übertreffen.»
Zustimmung äusserte hingegen Grünen-Verteidigungsexpertin Sara Nanni. Im Tagesspiegel forderte sie, dass im Ernstfall «alle Jahrgänge und Geschlechter gleichermassen in die Pflicht genommen werden» sollten.