Richard David Precht hat in einer N-TV-Diskussionsrunde den Grünen-Vorsitzenden Felix Banaszak zerpflückt, als dieser versuchte, die Grünen als «konsequenteste Friedenspartei» zu verkaufen. Precht hielt mit einer Wucht dagegen, die Banaszak sichtlich aus der Fassung brachte. Er sezierte die Metamorphose einer Bewegung, die ihren Markenkern nicht nur verwässert, sondern ins Gegenteil verkehrt hat. Früher «grasgrün» und auf Friedensdemos, heute «olivgrün» und an vorderster Front der Rüstungsspirale, so Precht.
Der Philosoph entlarvte diese Logik als brandgefährlich. Die Vorstellung, man könne einen Atomstaat wie Russland allein durch militärische Muskelspiele bezwingen, während man jegliches Gespräch über eine europäische Sicherheitsarchitektur verweigert, nannte er «Geschichtsklitterung», eine «Verschwörungstheorie».
Besonders interessant war der Moment, als Precht den grünen Popanz vom «irren Putin», der morgen schon in Berlin oder Dänemark stehen könnte, mit einem Schuss trockenem Realismus zertrümmerte. Wer in vier Jahren in der Ukraine kaum vorwärtskomme und Hunderttausende eigene Leute verheize, der träume wohl kaum von einem Weltkrieg gegen die Nato. Es ist dieser schlichte, gesunde Menschenverstand, der den Grünen in ihrem moralischen Rausch völlig abhandengekommen ist.
Precht legte den Finger in die Wunde der grünen Existenzberechtigung an sich: Ein ernsthafter ökologischer Umbau sei mit der Realität unserer Industriegesellschaft gar nicht vereinbar. Deshalb müssten Grüne wie Özdemir oder Kretschmann eigentlich Politik gegen die eigene Partei machen, um überhaupt noch gewählt zu werden. Grün funktioniert heute nur noch, wenn es sich so weit abdunkelt, dass es von der CDU nicht mehr zu unterscheiden ist.
Banaszak klammerte sich an seine Textbausteine von «Werten» und «Freiheit», während Precht die geopolitischen Realitäten – etwa die Nato-Osterweiterung – auf den Tisch legte.