Wie viele Rheinmetall-Aktien haben Friedrich Merz und Ursula von der Leyen?
Zugegeben, die Frage ist reine Spekulation. Fast so spekulativ wie das Setzen auf Rüstungsaktien.
Der Kurs der deutschen Rheinmetall leidet unter «Friedensangst» – was für ein Wort, das jetzt die Runde macht. Es wäre ein Kandidat für das Wort oder Unwort des Jahres.
Zuvor war der Börsenwert von Rheinmetall geradezu explodiert, beflügelt vom Krieg in der Ukraine und von den Aufrüstungsplänen von Bundesrepublik, EU, Nato.
Dieser Höhenflug steht in grellem Kontrast zum Rest der deutschen Industrie, der es nicht so gut geht. Während die Kriegsindustrie Urstände feiert und von den Regierungen mit Milliardenbeträgen angefüttert wird, legen dieselben Regierungen friedlichen Industrien wie der Autoindustrie Steine in den Weg. Verstehe das, wer kann.
Falls diese Absurdität irgendetwas mit der Klimareligion zu tun haben sollte, dann seien deren politische Hohepriester daran erinnert, dass nichts so stark das Klima belastet wie ein moderner Krieg.
Aber zurück zu Rheinmetall: Wie sehr es in Deutschland wieder en vogue ist, mit dem Krieg Geschäfte zu machen, und wie sehr dies bis auch und gerade in linke Gesellschaftskreise hinein akzeptiert wird, zeigt das Engagement von Rheinmetall für den Bundesligaklub Borussia Dortmund, das im Ruhrpott offensichtlich niemanden stört und hinter dem Ofen hervorlockt.
Auch scheint man in der kriegsverzückten BRD der Gegenwart einem Heilschlaf des Vergessens anheimgefallen zu sein, was die Nazi-Karriere von Rheinmetall betrifft – damals feierte das Unternehmen sein vorletztes grosses Hoch – sowie die Tatsache, dass der Konzern Tausende Zwangsarbeiter, vor allem jüdische Frauen, beschäftigt hatte.
Ein Unrechtsbewusstsein – oder auch nur die Übernahme von Verantwortung – für die Ausbeutung der Arbeitssklavinnen zeigten die Verantwortlichen nie.
Erst auf Druck der Claims Conference zahlte Rheinmetall eine geringe Entschädigung an einige Überlebende, stritt in der Öffentlichkeit aber konsequent ab, irgendwelche Entschädigungsforderungen anerkannt zu haben. Die Überweisung sei «allein im Hinblick auf einen uns in Aussicht gestellten Auftrag erfolgt», erklärte ein Vorstandsmitglied später. Treffender könnte man die Rheinmetall-Mentalität bis heute nicht beschreiben.