Januar 2026: Die EU macht klar, dass es bei Forschungsförderung nicht mehr nur um Ideen geht, sondern um prüfsichere Nachweise – inklusive möglicher Nachkontrollen. Wer Geld will, liefert Gender-Plan, Indikatoren, Trainings, Protokolle.
An vielen Universitäten wirkt der linksprogressive Zeitgeist wie ein gut gemeinter Bumerang: Je lauter die Parolen von Gerechtigkeit, Diversität und «Safe Spaces», desto grösser der Apparat, der das alles beweisen soll – schwarz auf weiss, am besten in Excel. Gerade der Wokeismus, der vieles moralisch auflädt, erzeugt einen permanenten Rechtfertigungsdruck: Man will zeigen, dass man «auf der richtigen Seite» steht, dass man Risiken kontrolliert. Denn grosse Institutionen lieben Nachweise: Was nicht gezählt wird, gilt schnell als nicht getan. So rutscht die Uni vom Streit über Ideen in den Wettkampf um Kennzahlen.
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Genau hier beginnt die Tyrannei der Messung: Nicht mehr Wahrheit, Qualität oder Originalität entscheiden, sondern das, was sich zählen, dokumentieren und in Ampelfarben darstellen lässt. Was in Zahlen passt, wird belohnt; was komplex, widersprüchlich oder riskant ist, wird abgestraft oder gar nicht erst zugelassen. Woke Leitbegriffe werden zu Prüfsteinen und Standardformeln, die man in Papers, Modulhandbüchern und Anträgen sichtbar unterbringen muss. Forschung misst sich an «Outputs», Lehre an «Learning Outcomes».
Das Ergebnis: lieber glatt, lieber konfliktfrei, lieber «safe» – bloss keine scharfen Thesen. Drittens in der Forschung: Besonders bei EU-Anträgen wird es zur Bürokratie-Show. Man schreibt Seiten über Impact, Work Packages, Gender-Pläne – als könnte man Erkenntnis wie ein Bauprojekt garantieren.
Am Ende gewinnt oft nicht die kreativste Frage. Die Folge ist ein Klima, in dem Messung zur Moral wird: Wer Zahlen liefert, hat recht; wer sich dem Messregime entzieht, verliert. Und wohin das führt, ist absehbar: Am Ende kontrolliert sich die Hochschule zu Tode –viele Kennzahlen, aber immer weniger Mut zur Erkenntnis.