Die Alterung der Bevölkerung gefährdet den künftigen Lebensstandard in Europa. Laut einer Studie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), über die die Financial Times berichtet, bremst der demografische Wandel das Wachstum des Pro-Kopf-BIP bis 2050 um durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte – besonders in Osteuropa und dem Kaukasus.
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Besonders stark betroffen sind laut EBRD-Länder wie Polen, Bulgarien und Slowenien, aber auch hochentwickelte Volkswirtschaften wie Südkorea, Italien und Spanien. Für Deutschland wird ein Rückgang von 0,4 Prozentpunkten erwartet. Der Hauptgrund: Immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter müssen immer mehr Ältere versorgen – eine Entwicklung, die ohne Reformen kaum aufzufangen sei.
Als Gegenmassnahmen nennt die EBRD höhere Rentenalter, gezielte Migration und technologische Innovation. Doch die politische Realität stellt sich quer: In Frankreich scheiterten jüngst Pläne zur Rentenreform am Widerstand der Strasse. Auch in anderen Ländern steigen ältere Wählergruppen zur entscheidenden Kraft auf – mit klaren Präferenzen. Laut Studie wünschen sich 42 Prozent der über 65-Jährigen mehr öffentliche Mittel für das Gesundheitswesen, nur 18 Prozent setzen Bildung als Priorität.
«Jetzt ist die Zeit, zu handeln, bevor uns die Demografie die Optionen nimmt», mahnt EBRD-Chefökonomin Beata Javorcik. Die politischen Entscheider müssten Mut und Weitblick beweisen, um das Wohl künftiger Generationen zu sichern. Künstliche Intelligenz könne zwar Produktivität steigern, reiche aber allein nicht aus, um den demografischen Druck aufzufangen.