Nach der Rettung der Credit Suisse durch die UBS ist die Anzahl der systemrelevanten Schweizer Banken auf noch vier geschrumpft. Bankengruppen und Banken gelten als systemrelevant, wenn ihr Ausfall die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen würde. Sie müssen deshalb höhere prudenzielle Anforderungen einhalten als andere Institute. Darüber hinaus sind sie zur Erstellung eines Stabilisierungs- und Notfallplans verpflichtet.
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Die UBS ist mit einer Bilanzsumme von 1670 Milliarden Dollar, das sind 1335 Milliarden Franken, per Mitte 2025 die mit Abstand bedeutendste von ihnen. Die Bilanzsummen der übrigen drei Banken sind trotz rasantem Wachstum in den letzten Jahren zusammen nur halb so gross wie jene der UBS: per 30. Juni 2025 Raiffeisen (312 Milliarden Franken), Züricher Kantonalbank (200 Milliarden), Postfinance (107 Milliarden).
International ist von den heutigen systemrelevanten Banken nur die UBS in grösserem Stil präsent, auch wenn über die ZKB und andere Banken ebenfalls gewisse internationale Geschäfte getätigt werden können. Die übrigen Schweizer Banken wickeln diese aber oft über das Netz der systemrelevanten Banken ab. Sie sind auf die UBS, die ZKB und im besten Falle noch auf die Banque cantonale vaudoise angewiesen, wenn es um die Finanzierung internationaler Geschäfte der Schweizer Industrie geht. Diese systemrelevanten Banken dienen den kleineren Banken auch als Gegenpartei, für die Platzierung von flüssigen Mitteln oder für kurzfristige Liquiditätshilfen.
Aber auch in der Schweiz sind Milliardenkredite – zum Beispiel an die Energiewirtschaft – ohne die systemrelevanten Banken nicht aufzutreiben. Selbst diese waren aber unlängst wegen der Vorschriften über Klumpenrisiken nicht in der Lage, vier Milliarden Franken Bevorschussungen für Energiebezüge aus dem Ausland zu finanzieren. Deshalb musste der Bund mit Garantien dafür geradestehen.
Dank ihrem Vermögensverwaltungsgeschäft verfügt die UBS über eine enorme Platzierungskraft von Neuemissionen an Aktien und Obligationen. Die UBS ist aber auch der wichtigste Träger der Schweizer Finanzmarktinfrastruktur, vor allem der Börse SIX, an der sie mit einem Anteil von 34,5 Prozent am Aktienkapital beteiligt ist. Auch als Trägerin des Zahlungssystems, als Depotbank für Wertschriften und als Gegenpartei für Absicherungsgeschäfte aller Art ist sie ein wichtiger Marktteilnehmer, ohne den die Liquidität vieler Segmente des einheimischen Kapitalmarktes versiegen würde. Sie verfügt unter den Schweizer Banken über das breiteste Korrespondentennetz weltweit, weshalb die UBS auch im Devisen- und Wertschriftenhandel global eine führende Stellung einnimmt. Der Zugang zu den internationalen Märkten ist zwar auch ohne die UBS möglich, würde aber wesentlich komplizierter, da ausländische Finanzinstitute dazwischengeschaltet werden müssten.
Die UBS trägt in der Ausbildung von Fachpersonal, insbesondere auch in der IT, wesentlich zum hohen technologischen Stand der Schweizer Banken bei. Die UBS beschäftigt seit Jahren über tausend Lehrlinge und ist für Studienabgänger ein begehrter Arbeitgeber, weil sie auch Weiterbildungen im Ausland offeriert. Die UBS und die übrigen systemrelevanten Banken arbeiten in der IT-Sicherheit und mit Backup-Systemen zusammen.
Die UBS gehört mit ihrem immensen Vermögensverwaltungsgeschäft zu jenen Banken, die umfangreiche ausländische Gelder in die Schweiz holen. Die Schweiz gilt dank der UBS im Wealth-Management (private Vermögensverwaltung) als Topland und im Asset-Management (Fonds und andere institutionelle Kunden) als wachsender starker internationaler Konkurrent. Das mag mit Blick auf die Währung zwar gelegentlich problematisch erscheinen, aber dafür hilft dieses Überangebot an Kundengeldern mit, die Zinsmargen in der Schweiz mit 0,8 Prozentpunkten tief zu halten. Im Ausland sind diese meistens doppelt (China 2,1 Prozentpunkte, Norwegen 1,8, Grossbritannien 1,7, Italien 1,7, Spanien 1,6 – Tendenz auf 1,0 Prozentpunkt sinkend) bis dreifach (USA 3,4, Brasilien 4,4, Südafrika 3,1, Indien 3,2 Prozentpunkte) so hoch. Mit der Schweiz vergleichbar sind Deutschland 1,0, Frankreich 0,8, Japan 1,0 – Tendenz 0,5 Prozentpunkt sinkend. In diesen Ländern drückt wie in der Schweiz das Overbanking (zu viele Banken) auf die Zinsmargen.
Dass die UBS auch als Steuerzahler und Arbeitgeber mit hohen Löhnen für die Schweiz ins Gewicht fällt, werden speziell die Stadt Zürich und die übrigen Finanzzentren der Schweiz im Falle eines schlechten Geschäftsganges oder bei einer Verlagerung von Geschäftsaktivitäten ins Ausland zu spüren bekommen. Und schliesslich ist die UBS auch einer der grössten Sponsoren von Sport- und anderen Anlässen.