Taiwan probt derzeit mit Drohnen, Raketen und Zehntausenden Reservisten für den Ernstfall einer Invasion durch China. Zum Auftakt des sogenannten Han-Kuang-Manövers, der wichtigsten Militärübung des Landes, setzt Taipeh erstmals auf moderne US-Waffensysteme wie den Mehrfachraketenwerfer Himars. Insgesamt beteiligen sich 22.000 Reservisten an dem zehntägigen Grossmanöver – dem umfangreichsten seit Einführung der Übung im Jahr 1984. Das berichtet Der Spiegel.
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Trainiert werden unter anderem die Verteidigung der Küste, Landungsabwehr sowie Reaktionen auf sogenannte Grauzonentaktiken – etwa Cyberangriffe, Desinformationskampagnen oder Provokationen mit Kampfflugzeugen, die bewusst unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges bleiben. Parallel wird mit der Zivilbevölkerung die Krisenresilienz in Städten geübt: Evakuierung, Notversorgung und Schutz kritischer Infrastruktur.
Peking verurteilte die Manöver als «Bluff» und reagierte mit Exportbeschränkungen für Dual-Use-Güter an acht taiwanische Unternehmen, darunter auch Zulieferer der Rüstungsindustrie. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan als Teil ihres Staatsgebiets und droht regelmässig mit einer gewaltsamen «Wiedervereinigung».
Die USA, wichtigster Verbündeter Taiwans, sind durch den Taiwan Relations Act verpflichtet, die Verteidigungsfähigkeit der Insel zu unterstützen.