Nicolas Sarkozy tritt am Dienstag seine Haftstrafe im Pariser Gefängnis «La Santé» an – als erster früherer Präsident Frankreichs in der jüngsten Geschichte des Landes. Der konservative Politiker war Ende September im sogenannten Libyen-Prozess zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Pariser Gericht befand ihn für schuldig, Millionen vom damaligen libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi für seine Wahlkampagne 2007 angenommen zu haben. Die Justiz ordnete eine sofortige Vollstreckung des Urteils an.
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Sarkozy zeigte sich öffentlich unerschrocken. «Ich gehe mit aufrechtem Haupt», erklärte er in einem Interview mit La Tribune Dimanche. In der Vergangenheit hatte er wiederholt seine Unschuld beteuert und den Richtern eine von Hass getriebene Haltung vorgeworfen.
Laut RND misst Sarkozys Zelle neun Quadratmeter und liegt in einem abgesonderten Trakt für «verletzliche Personen». Er hat Zugang zu einem Sportbereich, einer Bibliothek und einem kleinen Privatfreigang. Telefonieren darf er unbegrenzt, allerdings nur mit zuvor registrierten Nummern. Drei Besuche pro Woche sind erlaubt. Die Haftbedingungen für den ehemaligen französischen Staatspräsidenten sind komfortabler als für viele andere Gefangene in Frankreich. Dennoch warnte ihn sein Freund, der frühere Bürgermeister Patrick Balkany: «Im Gegensatz zu dem, was man so glaubt, gibt es keine VIP-Behandlung, die Isolation und das Leben in Haft sind schwer.»
Sarkozys Anwälte können ab sofort einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Kein Fluchtrisiko, keine Wiederholungsgefahr, und mit siebzig Jahren gilt Sarkozy als haftempfindlich. «Bis er sich daran gewöhnt hat, wird er schon wieder freikommen», so Balkany.