Die «International Association of Genocide Scholars» (IAGS), die weltweit führende Fachorganisation für Völkermordforschung, hat Israel offiziell des Genozids im Gazastreifen beschuldigt. In einer mit 86 Prozent Zustimmung verabschiedeten Resolution heisst es: «Israels Politik und Handlungen in Gaza erfüllen die juristische Definition von Völkermord.»
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Die IAGS zählt rund 500 Mitglieder, darunter zahlreiche Holocaust-Forscher. Ihre Einschätzung dürfte die internationale Debatte verschärfen und Israels internationale Isolation weiter vorantreiben. Die Organisation wirft Israel unter anderem «willkürliche und gezielte Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur» vor und fordert ein sofortiges Ende aller Handlungen, die «Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit» darstellen.
Israel wies den Vorwurf entschieden zurück. Das Aussenministerium sprach von einem «historischen Präzedenzfall» und nannte die Resolution «beschämend»: «Zum ersten Mal werfen ‹Genozid-Forscher› dem Opfer von Völkermord selbst Völkermord vor – trotz des von der Hamas versuchten Genozids am jüdischen Volk.»
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza, das Teil der Hamas-Verwaltung ist, sind seit Beginn der israelischen Offensive über 63.000 Palästinenser getötet worden, etwa die Hälfte davon Frauen und Kinder. Die Uno stuft diese Zahlen als verlässlich ein – Israel bezweifelt sie, liefert aber keine eigenen.
Bereits im Juli hatten die israelischen NGOs B’Tselem und Physicians for Human Rights von Genozid gesprochen. Auch Südafrika hat vor dem Internationalen Gerichtshof Klage gegen Israel erhoben – ein Verfahren, das Jahre dauern könnte.