Der Polizeibeamte Tom Homan war ab 1984 als Grenzschutzbeamter in den USA tätig. 2013 holte ihn der damalige Präsident Barack Obama zur Abteilung ERO der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE.
ERO ist zuständig für die Festnahme und Abschiebung von Ausländern, die gegen Einwanderungsgesetze verstossen oder die öffentliche Sicherheit gefährden.
2015 zeichnete Obama Tom Homan mit dem «Presidential Rank Award» aus, einer der höchsten Auszeichnungen der Regierung für Beamte im öffentlichen Dienst. Geehrt wurde er dafür, dass es in den drei Jahren unter seiner Führung über 920.000 Abschiebungen aus den USA gab.
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Nach der ersten Präsidentschaftsübernahme durch Donald Trump stieg Homan weiter auf, und auf die zweite Amtszeit hin wurde er zum Grenzschutzbeauftragten ernannt.
In dieser Funktion wird er nun heftig kritisiert. Der Vorwurf: Er operiere extrem hart gegenüber Migranten und trenne Familien von ihren Kindern. Linke Kreise in den USA vergleichen sein Vorgehen mit dem eines Nazis.
Die Ironie daran: Tom Homan ist unter Trump zahlenmässig längst nicht so effizient wie noch unter Obama. Laut der unabhängigen Datensammelstelle Trac Immigration kam es 2025 zu rund 290.000 Abschiebungen. Unter Obama waren es allein 2012 mehr als 400.000 gewesen.
Der Fall Tom Homan zeigt exemplarisch, dass es nicht dasselbe ist, wenn zwei das Gleiche tun – oder sogar derselbe Mann das Gleiche wieder macht.
2015 ging kein Aufschrei durch die Welt, als Barack Obama dem ICE-Beamten einen Orden umhängte. Für die gleiche Tätigkeit und weit weniger Abschiebungen wird Homan nun als Unmensch bezeichnet. Der einzige Grund: Nun heisst sein Auftraggeber Donald Trump.