Manchmal ist Friedrich Merz näher an Putin, als er vielleicht denkt. Zum Beispiel im Fall der Nord-Stream-Pipeline, durch die mal Gas von Russland nach Deutschland geflossen ist, bevor sie vor bald drei Jahren einem Sabotageakt zum Opfer fiel.
Sie liesse sich reparieren, zumal die Betreiberfirma im schweizerischen Zug gegen jede Logik nicht in der Insolvenz gelandet ist. Die Hoffnung des russischen Eigentümers Gazprom ist, dass sich Investoren finden, die die Röhre reparieren und betreiben. Vielleicht sogar welche aus den USA. Dann hätten alle etwas davon: Russland würde wieder Gas verkaufen, Deutschland wieder ein billigeres Energie-Angebot haben, und die Amerikaner verdienten mit.
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
So ein Deal wäre möglicherweise ganz nach dem Geschmack von Trump und Putin.
Nicht aber nach dem von Merz. Der kann die gerade einsetzende innenpolitische Diskussion dazu gar nicht brauchen. In seiner Unions-SPD-Koalition rühren sich Stimmen, die die Idee gar nicht schlecht finden, und in der AfD finden sie sie sowieso klasse.
Es bahnt sich eine schwer zu kontrollierende Stimmungslage über Brandmauern hinweg an. Dazu kommt europäisches Unbehagen: Die deutschen Gasprofiteure waren bei denen, die das Nachsehen hatten, nicht gern gesehen.
Merz hat sich deswegen einen Trick ausgedacht. Er unterstützt ein vorgeschlagenes EU-Verbot der Wiederinbetriebnahme der Nord Stream-Pipeline, um jegliche Bemühungen der USA und Russlands zur Reaktivierung der Gasverbindungen zu stoppen. Ein Regierungssprecher erklärte, man befürworte das Verbot als Teil der bevorstehenden Sanktionsrunde der EU gegen Russland.
Kommt es dazu, hat Merz sein Problem relativ elegant nach Brüssel verlagert. Dass er niemals wieder russisches Gas haben will, bedeutet das nicht. Denn die Sanktionen sind vor allem dafür da, sie als Pfand in Friedensgesprächen nach und nach wieder lockern zu können. So gesehen hat Putin einen weiteren Anreiz, über ein Ende des Krieges nachzudenken, wenn er dadurch eine Wiederinbetriebnahme von Nord Stream erreichen kann.
Im Grunde genommen hat ihm Merz also einen Gefallen getan.