Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Friedenszeichen für die Ukraine

Friedenszeichen für die Ukraine

US-Präsident Donald Trump will -seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Budapest zu einem neuerlichen Gipfel treffen. Leute, die mit den Vorgängen und Hintergründen vertraut sind, sehen darin die sich verdichtende Wahrscheinlichkeit eines Friedens in der Ukraine. Warum auch nicht: Es scheint, es könnte sich ein Paket zusammenfügen, eine Gemengelage, die ein Ende dieses Kriegs in greifbare Nähe rückt. 

Illustration: Fernando Vicente
Friedenszeichen für die Ukraine
Illustration: Fernando Vicente

Aussenpolitik muss realistisch, manche würden sagen: zynisch betrachtet werden. Aus einer Wirklichkeitsperspektive wäre mit Blick auf die Ukraine wohl Folgendes zu notieren. Erstens: Die Amerikaner haben ihre Ziele erreicht, wesentliche Interessen durchgesetzt. Die Europäer kaufen amerikanisches, nicht mehr russisches Gas. Ausserdem sind sie -grosse Abnehmer amerikanischer Waffen. 

Zweitens: Russlands Präsident Putin -nähert sich dem Punkt, an dem seine Forderungen erfüllt werden können, ohne dass er den Krieg noch weiter eskaliert. Die Verschärfung der Bombardierungen in den letzten Wochen sind vielleicht der Versuch, vor einem baldigen Friedensschluss noch möglichst viel herauszuholen. Russlands Wirtschaft verkraftet den Krieg bis jetzt, aber die Probleme mehren sich. 

Bis jetzt konnte sich Putin darauf verlassen, dass Indien und China seine Rohstoffe -kaufen. Doch Trump hat den Druck verschärft, so dass dem Kreml Einbussen drohen. Putin ist nicht so allmächtig, wie er im Westen dargestellt wird. Auch er kann es sich nicht leisten, die Unterstützung der Eliten und der Bevölkerung zu verlieren. Noch hat er sie. Mit einem Frieden bieten sich Fluchtwege aus den Sanktionen und der Isolation. 

Drittens: In der Ukraine zeichnet sich ein Machtwechsel ab. Die Tage Wolodymyr Selen-skyjs scheinen gezählt. Man verhandelt offenbar bereits über einen gesichtswahrenden Abgang. Der Präsident braucht persönliche Sicherheit und ein garantiertes Auskommen. Von einer Verfilmung seines Lebens ist die Rede. Die Tantiemen wären auch der Deckmantel für die bereits getätigte Anhäufung anderweitigen Vermögens. 

Unter Selenskyjs möglichen Nachfolgern fällt derzeit der Name des früheren Armeekommandierenden Walerij Saluschnyj am häufigsten. Wir bewegen uns da allerdings auf dem glitschigen Terrain von -Spekulationen. Das Erfreuliche: Insgesamt scheinen sich Entwicklungen zusammenzufügen, die Auswege liefern aus einem Unheil, das sich die Beteiligten, mit Ausnahme der USA, nicht -leisten können. 

Die Frage ist, ob der Gipfel von Budapest die Hoffnungen ähnlich enttäuscht wie das Treffen von Alaska vor einigen Monaten. Damals soll eine Einigung zwischen Russland und den USA bestanden haben, von der sich Trump dann allerdings während der Gespräche löste. Welchen Streitpunkt der Dissens betraf, wissen wir nicht, aber einen zweiten Fehlschlag wird man sich nicht leisten wollen. 

Schauen wir also über das politische Getöse und den Schaum der Rhetorik hinweg, sind ernsthafte Grundlagen für einen Friedensschluss zu erkennen. Paradoxerweise könnten gerade die russischen Militär-Eskalationen aus letzter Zeit Vorboten einer diplomatischen Beendigung des Krieges sein. Deuten wir es optimistisch: Putin, der nicht so unschlau ist, wie seine Kritiker sich einreden, hat ebenfalls gemerkt, dass sich die Zeitfenster schliessen. Als St. Petersburger ist er dem Westen, ist er -Europa zugeneigt. Man darf vermuten, dass er der Kälte, in die er sich stürzte, entkommen will. 

Wir werden es sehen. Jedenfalls stehen die Aussichten günstiger als auch schon. Sollte der Durchbruch klappen, wäre dies nach dem fragilen Frieden in Nahost ein weiterer spektakulärer Erfolg für den amerikanischen Präsidenten. Mit dem Zuckerbrot der -Diplomatie und der Peitsche seiner Macht und -seiner Tomahawks könnte Trump nun auch hier als Friedensbringer vom Platz gehen. Der Nobelpreis wäre ihm wohl nicht zu nehmen. 

Und: Putin hätte jetzt die einmalige -Chance, zur Reparierung der Beziehungen, dem US-Kollegen, der in seiner grundsätzlichen Offenheit gegenüber Russland alle Republikaner seit Abraham Lincoln in den Schatten stellt, zu dieser so heiss begehrten Trophäe zu verhelfen. Wenn den altgedienten Testosteron-Politiker im Kreml noch nicht alle politischen -Instinkte verlassen haben, wird er sie sich nicht entgehen lassen.

Ein Kriegsende in der Ukraine würde endlich die Atmosphäre in der EU entkrampfen. Es böte sich die Möglichkeit, die massiv vergifteten Beziehungen zu Russland zu normalisieren. Die noch tonangebenden EU-Kreise scheinen sich bis jetzt nicht besonders viele Gedanken über den Krieg hinaus gemacht zu haben. Diese Verweigerungshaltung hat einen hohen Preis, -politisch wie wirtschaftlich. 

Man begnügte sich damit, eine möglichst scharfe, sich moralisch als überlegen empfindende Haltung gegenüber Putin an den Tag zu legen. Der Moralismus regiert, nach wie vor, und der Realismus kommt zu kurz. Auch deshalb hat sich die EU, was die Beilegung dieses Konflikts angeht, komplett an den Rand gespielt. Ausgerechnet Trump, der Politiker, an dem man sich hier gerne die Schuhe abputzt, bahnt jetzt den Weg.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.