Das Kantonsgericht in Zug hat entschieden, dass die Betreibergesellschaft der sabotierten Ostseepipeline Nord Stream weiterarbeiten darf – und nicht in Konkurs geht. Damit kann die Suche nach Investoren mit Hochdruck weitergehen. Ein US-Geldgeber hat bereits Interesse bekundet.
Durch die Stränge von Nord Stream floss lange günstiges russisches Gas nach Deutschland. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurde der Gasfluss spärlicher. Seitdem drei der vier Röhren bei einem Anschlag im September 2022 zerstört wurden, ist die Pipeline eine Ruine. Die Verantwortlichen für den Sabotageakt sind bis heute nicht benannt, einiges spricht für eine US-Beteiligung an dem Anschlag.
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Seither ist die Betreibergesellschaft eigentlich pleite. Doch grosse Gläubiger einigten sich jetzt auf einen Nachlassvertrag, offenbar in der Hoffnung, tatsächlich einen Investor zu finden, der die Röhren wieder repariert und Gaslieferungen aus Russland ermöglicht. Zu den Grossgläubigern gehört auch der deutsche, mittlerweile verstaatlichte, Energieversorger Uniper. SPD-Finanzminister Lars Klingbeil lässt mitteilen, dass «für die operative Geschäftsführung das Unternehmen selbst verantwortlich» sei. Er verweist auf die ebenfalls neue Wirtschaftsministerin Katharina Reiche, die bereits deutlich gemacht hat, dass sie die Gasversorgung ausbauen möchte.
Durch die Gerichtsentscheidung besteht nun die Aussicht, dass Russland irgendwann wieder Gas nach Europa liefern kann. Solche Lieferungen könnten Teil eines Verhandlungspakets sein, über das sich Russland und die Ukraine jetzt unterhalten müssen. Eine einsatzfähige Pipeline könnte dem russischen Machthaber Putin die Zustimmung zu einer friedlichen Lösung im Ukraine-Krieg erleichtern – und Nord Stream hätte am Ende wirklich einen positiven Beitrag für eine friedliche Entwicklung geleistet.