Der ranghöchste General Frankreichs, Thierry Burkhard, warnt eindringlich vor Europas sicherheitspolitischer Lethargie. In einem Interview mit Politico erklärte der Generalstabschef: Wenn Europa nicht bereit sei, «harte Macht» auszuüben, werde es «zu einem gejagten Tier» in der internationalen Ordnung.
Burkhard kritisiert das mangelnde militärische Gewicht der EU und fordert eine neue strategische Ausrichtung: «Wir sind friedensgewohnt und nicht konfliktbereit», sagte er. Europa müsse lernen, sich als geopolitischer Akteur zu behaupten – notfalls auch mit militärischer Abschreckung. In einer Welt zunehmender Konfrontationen reiche es nicht mehr, auf wirtschaftliche Stärke oder moralische Appelle zu setzen.
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Er verwies auf die USA, Russland und China als Länder, die hartnäckig ihre Interessen durchsetzten – teils mit Waffengewalt. Wenn Europa nicht gleichziehen könne, verliere es seinen Einfluss und werde zur Zielscheibe. Besonders deutlich wird Burkhard mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine: Die europäischen Armeen müssten «kriegsfähig» und «robuster» werden – auch um glaubwürdige Abschreckung zu ermöglichen.
Seine Botschaft ist Teil einer wachsenden sicherheitspolitischen Debatte innerhalb Europas. Frankreich sieht sich als Vorreiter eines geopolitischen Europas – mit Atommachtstatus und globalen Interessen. Doch Burkhards Warnung richtet sich an die ganze EU: Ohne Investitionen in Verteidigung und strategisches Denken drohe ein Kontrollverlust.