Zwischen Paris und dem Nato-Hauptquartier fliegen die Fetzen: Nach der Absage von Nato-Generalsekretär Mark Rutte an die militärische Eigenständigkeit Europas hat die französische Regierung mit ungewohnter Schärfe reagiert. Rutte hatte vor EU-Parlamentariern erklärt, der Kontinent könne sich ohne amerikanische Hilfe schlicht nicht selbst verteidigen, und bezeichnete die Idee einer «europäischen Säule» der Nato als «leeres Wort». Die französische Antwort liess nicht lange auf sich warten: «Nein, lieber Mark Rutte. Die Europäer können und müssen ihre Sicherheit selbst in die Hand nehmen», konterte Aussenminister Jean-Noël Barrot via X.
Der Zorn in Paris speist sich vor allem aus der Überzeugung, dass Ruttes demonstratives Kleinreden der europäischen Schlagkraft das falsche Signal an Moskau sende. Muriel Domenach, Frankreichs ehemalige Nato-Botschafterin, bezeichnete das Kokettieren mit der eigenen Schwäche als «veralteten Ansatz». Auch aus dem EU-Parlament hagelte es Kritik: Die Abgeordnete Nathalie Loiseau nannte Ruttes Auftritt einen «schändlichen Moment» und warf dem Generalsekretär vor, sich als «Trump-Eiferer» zu profilieren, um dem US-Präsidenten zu gefallen.