Erstmals in der Geschichte der Fünften Republik sitzt ein ehemaliger Präsident im Gefängnis: Nicolas Sarkozy hat heute seine fünfjährige Haftstrafe im Pariser Gefängnis «La Santé» angetreten. Die Verurteilung wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ist trotz Berufung sofort vollziehbar.
Der 70-Jährige bezieht eine Einzelzelle mit neun Quadratmetern Fläche. Laut französischen Medien darf er drei Bücher, einen Schal von maximal einem Meter Länge sowie stumpfes Besteck mitbringen. Eine Stunde Freigang pro Tag steht ihm zu. Die Einzelhaft wird mit Sicherheitsbedenken begründet – regulär ist die Anstalt überbelegt.
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Sarkozy kritisierte vor Haftantritt in einem Interview mit dem Journal du Dimanche die Justiz und sprach von einem Angriff auf den Rechtsstaat. In vertraulichem Kreis verglich er sich gar mit Alfred Dreyfus – Symbolfigur eines der grössten Justizirrtümer Frankreichs. «Das Ende der Geschichte ist noch nicht geschrieben», wird er von der NZZ zitiert.
Sein Sohn rief zu einer nichtpolitischen Solidaritätsversammlung auf, seine Frau Carla Bruni, die zu ihm hält, postete Familienfotos auf Instagram. Doch die Mehrheit der Franzosen sieht das anders: 61 Prozent befürworten laut Umfragen die Inhaftierung.
Sarkozy selbst kündigt an, ein weiteres Buch schreiben zu wollen. Möglich, dass er nur wenige Monate absitzt: Seine Anwälte bereiten bereits einen Antrag auf bedingte Entlassung vor.