Was passiert in einer westdeutschen Grossstadt, wenn der AfD-Kandidat von der Oberbürgermeisterwahl ausgeschlossen wird? Ganz einfach: Die Menschen gehen gar nicht mehr zur Wahl.
So geschehen am Sonntag im pfälzischen Ludwigshafen, der Heimatstadt des Chemiegiganten BASF. Dort durfte AfD-Kandidat Joachim Paul nicht antreten, weil der Wahlausschuss unter Vorsitz der abtretenden Bürgermeisterin Zweifel an seiner Verfassungstreue hatte. Die Stichwahl bestritten ein CDU- gegen einen SPD-Mann. Der von der CDU gewann.
UWE ANSPACH / KEYSTONE
Doch richtig Spass machen kann ihm das Ergebnis nicht. Denn die Wahlbeteiligung lag bei einem in Deutschland bisher bei Wahlen dieser Art nicht gekannten Tiefstwert: Nur rund ein Viertel der Wählerinnen und Wähler erschien überhaupt an der Wahlurne. Etwas mehr als die Hälfte vereinte der CDU-Mann auf sich. Eine breite Legitimation sieht anders aus.
Die mangelnde Beteiligung verläuft gegen den Trend: Überall, wo die AfD mit von der Partie ist, gelingt es, deutlich mehr Menschen als bisher zur Stimmabgabe zu bewegen. Man kann es also drehen und wenden, das Ergebnis bleibt, wie es ist: Die AfD befeuert die Demokratie, die ihren würdigsten Ausdruck in freien Wahlen findet. Fehlt sie auf dem Stimmzettel, haben jetzt auch in einer Grossstadt in Westdeutschland drei Viertel der Wähler kein Interesse daran, zur Wahl zu gehen.
Mit dem Ausschluss des ungeliebten Kandidaten haben die Stadtoberen das schlechtestmögliche Ergebnis erreicht: Desinteresse bei den Menschen an der Politik.