Was haben Joung Gustav (Influencer/Getränkeproduzent), Robert Dubler (Mohrenkopf-Fabrikant), die Familie Läderach (Chocolatiers), Jacques Baud (Militärhistoriker/Publizist) und Nathalie Yamb (Youtuberin) gemeinsam?
Richtig: Ihnen allen haben Schweizer Grossfirmen die wirtschaftliche Existenzgrundlage entzogen – sie wurden gecancelt, wie man heute sagt – nicht weil sie irgendetwas Strafbares oder sonst wie Verwerfliches getan hätten. Die Begründung ist rein geschmäcklerischer Natur. Sie vertreten politisch unkorrekte Positionen, welche dem Justemilieu nicht genehm sind.
Gustav und Dubler wurden von der Migros beziehungsweise von Coop gecancelt, weil sie für etwas stehen, was aus linker Sicht einen rassistischen Beigeschmack haben könnte. Die Läderachs wurden von der Fluggesellschaft Swiss gecancelt, weil sie sich privat als Christen gegen die Abtreibung und die Schwulenadoption engagieren. Baud und Yamb wurden von der UBS beziehungsweise der Raiffeisen-Bank gecancelt, weil sie sich gegen ein einseitiges Russen-Bashing wehren. Gegen Letztere liegt aus diesem Grund ein Finanzbann der EU vor, der allerdings in der Schweiz gar nicht anwendbar ist.
Was haben Migros und Coop, die Swiss, UBS und Raiffeisen gemeinsam?
Richtig: Es sind Konzerne, die eng mit der Schweiz und ihren Werten verbandelt sind. Ihre Marken profitieren von Tugenden, die als typisch schweizerisch gelten: Zuverlässigkeit, Qualität, Ehrlichkeit, soziale Verantwortung. Stehen Gustav, Dubler, die Läderachs, Baud oder Yamb im Widerspruch zu diesen Werten? Im Gegenteil. Sie tanzen bloss aus der Reihe, was ebenfalls als urschweizerisches Merkmal gilt.
Die einzig typisch schweizerische Charaktereigenschaft, von der sich Gustav, Dubler, die Läderachs, Baud und Yamb markant abheben, ist eine wenig schmeichelhafte: Opportunismus. Man meidet lieber, was irgendwie auf Widerstand stossen könnte, bis hin zur Selbstverleugnung. Und das ist es, was die Sittenwächter von Migros, Coop, Swiss, UBS und Raiffeisen in Wahrheit umtreibt.
Das Zauberwort der Cancel-Culture von Migros und Konsorten lautet «Reputationsrisiko». Nein, um Gottes willen nein, man hat doch nichts gegen Aussenseiter. Schliesslich ist man strikt neutral. Es ist nicht persönlich. Aber es könnte dem Geschäft schaden. Das Ansehen! Es ist wie weiland mit der Braut, die ihre Jungfräulichkeit zur Unzeit geopfert hat: selber ist man ja aufgeschlossen und tolerant, doch die Gesellschaft, die vermaledeite societée, sieht das anders.
Puta heisst auf Spanisch «Hure», «Reputa» wäre demnach eine «Superhure». Sorry, wenn ich «Reputationsrisiko» höre, kommt mir nichts anderes als Prostitution in den Sinn. Ich bitte an dieser Stelle alle Huren dieser Welt um Vergebung: Die meisten von ihnen verdienen ihr Geld durch ehrliche Knochenarbeit und haben durchaus ihre Prinzipien – im Gegensatz zu Unternehmen mit klingenden Namen wie Migros, Coop, Swiss, Raiffeisen oder UBS.
Natürlich sind die Unternehmen frei in der Wahl ihrer Kundschaft. Doch dasselbe gilt auch für die Kunden. Sie müssen entscheiden, ob eine Firma ihr Vertrauen verdient oder eher nicht.