Ignazio Cassis’ Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ist erwacht in der Causa Jacques Baud. Rita Adam, Chefin der Schweizer Mission bei der EU in Brüssel, hat in der belgischen Hauptstadt eine Demarche ausgesprochen.
Aus dem Aussendepartement ist zu hören: «Die Schweizer Botschafterin bei der EU in Brüssel hat am 9. Januar 2026 bei der EU wegen der Sanktionierung von Jacques Baud interveniert. Sie hat das Recht auf ein faires Verfahren verlangt und auf die Achtung der Meinungsäusserungsfreiheit hingewiesen.»
Cancelleria dello Stato Ticino/Wikimedia Commons
Angesprochen auf die jüngsten Entwicklungen erklärt Baud trocken: «Ich sehe das Glas als halbvoll.» Zwar habe er sich erhofft, dass die Behörden schneller in die Gänge gekommen wären. Doch immerhin geschehe etwas.
Baud lebt gegenwärtig wie eine Art Paria. Die EU hat ihn mit einer Einreisesperre für den EU-Raum belegt. Seine Konten sind gesperrt, seine Kreditkarten funktionieren nicht mehr. Einkaufen ist nicht mehr möglich. «Meine Nachbarn bringen mir das Essen.»
Der Schweizer Staatsbürger, der in Brüssel lebt, bekommt die EU-Massnahmen jetzt auch wirtschaftlich immer stärker zu spüren. «Die französische Ladenkette FNAC hat meine Bücher aus dem Sortiment genommen», erklärt der Oberst im Generalstab a. D.
Für Baud, dessen Bücher besonders in Frankreich und dem frankophonen Raum auf grosse Resonanz stossen, ein herber Einschnitt. Die Frage steht im Raum, ob womöglich die französische Regierung Druck ausgeübt hat auf die FNAC.
Laut Baud soll der französische Aussenminister Jean-Noël Barrot bei seiner Sanktionierung eine zentrale Rolle gespielt haben: «In Frankreich ist es schlecht bestellt um die Meinungsfreiheit.»
Zur Erinnerung: Die EU hat den ehemaligen Oberst im Generalstab und langjährigen Mitarbeiter des EDA sowie des militärischen Nachrichtendienstes am 15. Dezember 2025 auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Baud erfuhr erstmals am 12. Dezember davon. Offizielle Proteste seitens der Schweizer Behörden blieben zunächst aus. Die Beamten waren geistig damals längst in den Weihnachtsferien angekommen. Über die jetzige Intervention der Schweiz bei der EU berichtete das Portal Forum Geopolitica zuerst.
Der Druck auf die Schweizer Behörden dürfte zuletzt zugenommen haben. Der Wind beginnt allmählich zu drehen. Die EU-Sanktionen gegen Baud seien vergleichbar mit den Methoden, die die «besten Diktaturen» anwenden, urteilte Gauthier Ambrus jüngst in der welschen Zeitung Le Temps, die nicht gerade bekannt ist für EU-Kritik.