Werden wir an der Covid-19-Spritze sofort sterben – oder bekommen wir damit ein wahres Wundermittel? Man erinnert sich, wie es zu Pandemiezeiten gewesen ist: Hier die Dämonisierung, dort die Seligsprechung. Je nachdem, wem man in der Berichterstattung folgte, ob den neuen oder den etablierten Medien.
Cristobal Herrera-Ulashkevich/EPA/Keystone
Nicht ganz so gross ist das Gefälle in Sachen Epstein-Files. Niemand baut Heiligenschreine, niemand verfällt in Glorifizierungen. So weit ist man sich schon mal einig; alles andere wäre mehr als fragwürdig. Doch während die einen – man muss nur mal bei Youtube vorbeischauen – bei dem mehr als drei Millionen Dokumente umfassenden Konvolut den grössten Skandal der jüngeren Menschheitsgeschichte ausrufen, kochen die anderen, also die sogenannten Mainstream-Medien, zwar nicht auf kleiner, aber mehrheitlich doch nur auf mittlerer Flamme.
Wie kommt es zu diesem Unterschied? Wissen die einen mehr? Bewerten die anderen die vorliegenden Informationen anders? Wollen die einen nur Klicks und die anderen lieber keine Schlagzeilen?
Hätte Angela Merkel eine Affäre mit Wladimir Putin, wäre die Sachlage eindeutig. Und überschaubar. Doch bei den Epstein-Files können schlichtweg nicht alle auf demselben Wissensstand sein, angesichts der massiven und unstrukturierten Datenmenge, die das US-Justizministerium herausgegeben hat. Halb geschwärzte Konto- und Telefonlisten, Party- und Urlaubsvideos, obszöne E-Mails, geschwärzte und ungeschwärzte Nacktfotos, zahlreiche Hinweise auf Pädokriminalität und zigfachen sexuellen Missbrauch, all das geht wild durcheinander.
Nebenbei gefragt: Soll die Aufarbeitung bewusst erschwert werden?
Die KI tut dann noch ihr Übriges: Jede Menge Fake-Fotos und gefälschte Mailprotokolle sind im Umlauf.
In den USA tobt längst der politische Kampf, denn sowohl Demokraten als auch Republikaner pflegten regelmässig Kontakt zu Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell, die beide für Sexualstraftaten mit Minderjährigen verurteilt wurden.
Auch in der neuen und alten Medienwelt muss man sich fragen: Geht es wirklich um Aufklärung, oder schlachtet man die Epstein-Files lediglich für eigene Zwecke aus? Auch runterspielen und beschweigen kann da übrigens sehr dienlich sein. Und beim Spiegel wäre nachzufragen, ob es von Bill Gates noch weitere millionenschwere Zuwendungen gibt. Das Nachrichtenmagazin gibt ihm jedenfalls genug Raum, sich als Opfer zu inszenieren, das jede Minute bereut, die es mit Epstein verbracht hat.