Der frühere US-Botschafter bei der EU, Anthony Gardner, übt scharfe Kritik am Verhalten der Europäischen Union während der Handelskonflikte mit den USA unter Donald Trump. In einem Interview mit Politico erklärte Gardner, Europa habe «eine goldene Verhandlungsposition in ein wirres Durcheinander verwandelt». Die EU habe nicht erkannt, dass es sich nicht um «eine normale Handelsverhandlung» handelte.
Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
Laut Gardner hat US-Präsident Trump, der die EU «hasst», gezielt darauf abgezielt, die Union zu spalten – mit Erfolg. Die Europäer hätten versucht, kurzfristige Konflikte zu vermeiden, aber dabei unterschätzt, welche langfristigen Kosten diese Strategie nach sich ziehe. «Die Botschaft an China und andere lautet: Erpressung funktioniert», so Gardner.
Er kritisierte, dass Brüssel es versäumt habe, seine handelspolitischen Instrumente auszuspielen: «Wir alle wissen, dass die EU keine Supermacht ist – ausser im Handel. Aber sie hat ihre Möglichkeiten unterschätzt.» Insbesondere der sogenannte Anti-Coercion-Mechanismus sei von Trump nie ernst genommen worden, weil er nicht zum Einsatz kam.
Gardner nimmt dabei nicht die EU-Kommission, sondern die Mitgliedstaaten in die Pflicht. Diese hätten sich aus Rücksicht auf ihre nationalen Industrien gegen eine einheitliche Linie gesperrt. «Wenn es kein Gefühl der Solidarität gibt, gibt es auch wenig Hoffnung», resümierte Gardner im Gespräch mit Politico.