Der frühere ukrainische Präsident Petro Poroschenko erhebt in einem Interview mit der Bild-Zeitung schwere Vorwürfe gegen seinen Nachfolger Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine bewege sich «in Richtung Diktatur», sagte Poroschenko im Gespräch mit Reporter Paul Ronzheimer.
Poroschenko, der von 2014 bis 2019 Präsident war, steht unter Sanktionen und darf das Land nicht verlassen. Zudem wurden seine Konten eingefroren. Die genauen Gründe dafür sind unklar, spekuliert werde über einen Vorwurf des Hochverrats. Der Ex-Präsident sieht darin jedoch eine politische Kampagne Selenskyjs mit dem Ziel, ihn mundtot zu machen. «Die Ukraine ist nicht Russland, und wir werden nicht zulassen, dass in der Ukraine eine Diktatur entsteht», so Poroschenko.
Besonders besorgt zeigte sich Poroschenko über die innenpolitische Lage und den Umgang mit der Opposition. «Das ist ein Angriff auf die Freiheit und die Demokratie», erklärte er und warnte, dass dies auch den europäischen Integrationsprozess der Ukraine gefährden könnte.
Auch zur militärischen Situation äusserte sich Poroschenko kritisch. Angesichts schwerer Verluste forderte er einen Strategiewechsel: «Wir sollten das Wort ‹Offensivoperation› vergessen», sagte er und plädierte stattdessen für eine verstärkte Verteidigung. Er warnte zudem, dass es nur noch ein kurzes Zeitfenster für eine diplomatische Lösung gebe.