Die EU ist nicht ausreichend auf einen möglichen Krieg mit Russland vorbereitet – zumindest nicht in logistischer Hinsicht. «Wenn wir militärische Ausrüstung und Truppen von Westeuropa nach Osteuropa bewegen wollen, dauert das heute Wochen – in manchen Fällen sogar Monate», warnte EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas im Gespräch mit der Financial Times.
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Brücken seien zu alt oder zu schmal, manche existierten gar nicht. Panzer würden Tunnel blockieren oder Brücken zum Einsturz bringen, während sich Fahrzeuge an den Grenzen in Bürokratie verhedderten, so Tzitzikostas. Um das zu ändern, will die EU siebzehn Milliarden Euro in den Ausbau von 500 Infrastrukturprojekten entlang vier strategischer Militärkorridore investieren.
Das Ziel: Truppenbewegungen sollen im Ernstfall innerhalb von Stunden – höchstens wenigen Tagen – möglich sein. Die Projekte wurden laut EU-Angaben in enger Abstimmung mit der Nato identifiziert, bleiben jedoch aus Sicherheitsgründen geheim.
Neben dem Infrastrukturausbau soll auch die Bürokratie an den EU-Binnengrenzen reduziert werden. «Wir können es uns nicht mehr leisten, nicht bereit oder abhängig zu sein», betonte Tzitzikostas.
Die Strategie ist Teil einer umfassenden militärischen Aufrüstung Europas, die bis zu 800 Milliarden Euro kosten könnte. Hintergrund ist der fortdauernde Krieg in der Ukraine.