Drei Viertel der börsennotierten Unternehmen in Europa sind bei zentralen digitalen Diensten von US-Technologiekonzernen abhängig. Das zeigt eine Analyse des Schweizer Cloud-Anbieters Proton, der mehr als 9600 Firmen untersuchte. Besonders in Island, Norwegen, Irland, Finnland und Schweden greifen über 90 Prozent der Unternehmen bei Cloud-, E-Mail- und Kalenderdiensten auf Anbieter wie Microsoft oder Amazon zurück. «Digitale Souveränität ist eine Illusion, wenn Europas Infrastruktur vom Ausland kontrolliert wird», heisst es im Bericht. Proton fordert Investitionen in europäische Alternativen.
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Die Abhängigkeit variiert stark: In Bulgarien liegt sie bei nur 16 Prozent, in Spanien sind hingegen ganze Branchen – darunter Energie und Banken – vollständig auf US-Technologie angewiesen. Grossbritannien nutzt in 95 Prozent seiner Banken und im gesamten Telekommunikationssektor amerikanische Cloud-Dienste, obwohl es den grössten Technologiesektor Europas besitzt. Laut Proton erhöht dies die Gefahr «externer Einflussnahme, Instabilität und Überwachung».
Das US-Gesetz Cloud Act erlaubt es Behörden, weltweit gespeicherte Daten von US-Anbietern ohne richterlichen Beschluss einzufordern. Datenschutzexperten warnen, eine restriktive Politik Washingtons könne in Europa «massive Störungen öffentlicher Dienste» auslösen. Einige Länder wie Dänemark und die Niederlande prüfen bereits den Wechsel zu heimischen Anbietern.