Der Schweizer Ex-Oberst und Autor Jacques Baud erhält trotz EU-Sanktionen wieder begrenzten Zugang zu seinem Bankkonto. Wie er dem Schweizer Nachrichtenportal L’Impertinent bestätigte, hat Belgien ihm eine humanitäre Ausnahmegenehmigung gewährt. Das Land, das für die Umsetzung der Sanktionen zuständig ist, erlaubt Baud nun Zahlungen für lebensnotwendige Ausgaben.
Kostas Maros für die Weltwoche
Baud war im Dezember 2025 im Rahmen des 19. EU-Sanktionspakets gegen Russland «gelistet» worden. Ihm wird vorgeworfen, als «Sprachrohr prorussischer Propaganda» zu fungieren. Die EU wirft ihm vor, durch «Informationsmanipulation und Einmischung» die Ukraine zu gefährden. Eine Anhörung fand vor der Entscheidung nicht statt, ein gerichtliches Verfahren ebenfalls nicht. Der Zugang zu seinem Konto wurde gesperrt, Reisen in die Schweiz wurden untersagt.
Nach eigenen Angaben drohte Baud eine existenzielle Notlage. Mit der nun gewährten Ausnahme könne er wieder ein «normales Leben» in Brüssel führen, so Baud. Belgien selbst äusserte sich nicht zu dem Fall, weder das Aussen- noch das Finanzministerium gaben eine Stellungnahme ab.
Baud erhebt schwere Vorwürfe gegen Brüssel und Bern: Die Schweiz habe von der Listung im Vorfeld gewusst und dennoch nicht reagiert, berichtet die Berliner Zeitung. Die Sanktionen bezeichnete er als Angriff auf die Meinungsfreiheit und warnte vor einem politischen Präzedenzfall. Die Initiative zur Sanktionierung soll von Frankreich ausgegangen sein, Hinweise deuten aber auch auf eine Beteiligung Deutschlands hin. Offizielle Auskünfte verweigert die EU.