Die EU-Bürgerbeauftragte Teresa Anjinho hat ihren Kabinettschef Lampros Papadias zum neuen Generalsekretär ihres Amtes ernannt. Das berichtet das Portal Euractiv. Die Personalentscheidung löste intern Diskussionen über mögliche Interessenkonflikte und den Eindruck von Begünstigung aus.
Anjinho teilte den Mitarbeitenden per E-Mail mit, Papadias sei aus einem offenen Auswahlverfahren als «bester Kandidat» hervorgegangen. Der griechische Jurist, der zuvor beim Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) tätig war, soll seine neue Funktion am 1. Januar 2026 antreten. Das Generalsekretariat ist die höchste Beamtenstelle der Institution und mit bis zu 20.000 Euro Monatsgehalt dotiert.
Nach Angaben des Sprechers der Bürgerbeauftragten hatten sich vierzehn Personen beworben. Das Verfahren sei offen, transparent und auf Leistung, Qualifikation und Exzellenz ausgerichtet gewesen. Kritiker innerhalb der Behörde äusserten jedoch Zweifel, ob die Ernennung eines engen Vertrauten mit dem Mandat der Ethikaufsicht vereinbar sei.
Ein Mitarbeiter bezeichnete den Vorgang als Problem der Wahrnehmung. Man habe «etwas getan, was wir früher selbst kritisiert haben», sagte er laut Euractiv.
Die Entscheidung erinnert an den umstrittenen Fall von 2018, als der damalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seinen Kabinettschef Martin Selmayr zum Generalsekretär der Kommission machte – ein Vorgang, der später als Verstoss gegen Transparenzvorschriften gerügt wurde.
Anjinho, eine ehemalige Mitte-rechts-Politikerin aus Portugal, steht seit Februar an der Spitze des Amts der EU-Bürgerbeauftragten. Ihr Ziel sei es, «Governance zu stärken und die strategische Ausrichtung des Hauses umzusetzen», schrieb sie in der internen Mitteilung.