Als Altkanzler Gerhard Schröder vor einer «Dämonisierung» Russlands als «ewigem Feind» warnte, sprach er über Selbstverständlichkeiten.
Auch nach dem Krieg in der Ukraine wird es das Land geben; es wird über Energie und Rohstoffe verfügen. Und niemand kann bestreiten, dass seine Kultur Europas Literatur, Musik und Malerei bereichert.
Niemand ausser Estland. Dessen Aussenminister fand Schröders Bemerkungen «schlichtweg entsetzlich». Einen «heimtückischen Versuch», Europa zu spalten.
MICHAEL KAPPELER / KEYSTONE
Margus Tsahkna heisst der Mann. Über ihn gibt es zu sagen, dass er für einen studierten Theologen recht viel Hass empfindet. Und dass er eng mit Kaja Kallas zusammengearbeitet hat, die als EU-Aussenbeauftragte die Russophobie derart in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt, dass der Kreml nicht mit ihr reden will.
Es hätte wohl auch keinen Sinn. Nirgendwo ist der pathologische Hass auf alles Russische stärker als in Estland. Nirgendwo wird jede Erinnerung auf russisches Erbe radikaler ausgemerzt. Und nirgendwo wird die russische Minderheit – jeder vierte Bürger – brutaler ihrer Rechte beraubt.
Doch wenn Estland nicht endlich die Realitäten anerkennt, wird es wohl nichts mit einer funktionierenden europäischen Nachkriegsordnung.