Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Essen und Sex: Gewürze, Gemüse, Getränke, die das Liebesleben fördern – aber auch hemmen können

Anhören ( 3 min ) 1.0× +
Essen und Sex: Gewürze, Gemüse, Getränke, die das Liebesleben fördern – aber auch hemmen können
Essen und Sex: Gewürze, Gemüse, Getränke, die das Liebesleben fördern – aber auch hemmen können
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Aphrodite, im griechischen Götterkabinett zuständig für die Ressorts Liebe, Schönheit und sinnliche Begierde, muss heute für eine Art neuzeitlichen Marketingtrick herhalten: «Aphrodisiaka» sind demnach Produkte, die das sexuelle Verlangen steigern und/oder die Kondition bei dessen Erfüllung verlängern sollen.

Oft wird von bestimmten exotischen Gewürzen, Chili oder Austern geredet, in schlichterer Version sogar vom massenhaften Verzehr von Hühnereiern. So weit, so märchenhaft – es mag sein, dass die Einnahme solcher Substanzen, zu denen auch Düfte gehören, einen hübschen Placebo-Effekt generiert (bis zu 60 Prozent).

© KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Blauburgunder-Trauben.
© KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER

Aphrodite allerdings wäre zu solchen Theorien auf Distanz gegangen. Sexualität ist nämlich keine Frage der Menüfolge, sie gründet sich auf dem Zusammenspiel bestimmter Botenstoffe mit körperlicher wie hormoneller Entspannung und vitaler Durchblutung aller (!) Organe.

Sexuelle Erregung ist ganz unromantisch erst einmal eine Gefässreaktion: Sowohl die Befeuchtung der Vagina durch eigenproduziertes Sekret als auch die Erektion des Mannes sind Folgen einer Gefässerweiterung, die ordentlich Blut ins Genitalgewebe lässt. Wer seinen Körper diesbezüglich bei Laune halten will, ist mit nitratreichen Gemüsen wie Spinat, Rucola oder Roter Bete gut beraten.

Auch Wassermelone ist hier charmant im Spiel: Sie liefert Citrullin, aus dem der Körper Arginin bilden kann – einen Rohstoff für Stickstoffmonoxid, jenen Gefässentspanner, ohne den es untenrum oft unerquicklich bleibt. Knoblauch ist zwar kein Liebesparfum, kann aber die Gefässfunktion unterstützen – für die Romantik olfaktorisch riskant, physiologisch jedoch nicht völlig unspannend. Auch Granatapfel gesellt sich dazu: Seine Polyphenole können die Gefässfunktion und die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid unterstützen.

Sexuelles Verlangen wächst nicht nur in der mittleren Körperregion, wo sich unsere Genitalien interessiert zuzwinkern, sondern auch im Oberstübchen, im Belohnungssystem unseres Gehirns. Der Neurotransmitter Dopamin ist ein Botenstoff, der massgeblich mitwirkt bei Belohnung, Motivation, Konzentration und Bewegungssteuerung – kein «Glückshormon», aber definitiv einer der Stoffe, die Lust auf mehr Leben machen. Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte liefern unter anderem Tyrosin, aus dem der Körper Dopamin bilden kann; das ist jedoch keine Sofortzündung fürs Schlafzimmer, sondern eher solide Vorratshaltung fürs neuronale Orchester. Bananen und dunkle Schokolade dürfen trotzdem mit aufs Menü: eher wegen Genuss, Stimmung und Ritual als wegen eines verlässlichen aphrodisierenden Effekts.

Dem übrigen Hormonhaushalt, etwa Testosteron oder Östrogen, ist nicht einfach mit einzelnen Lebensmitteln «aufzuhelfen» – aber der Körper braucht für die Hormonbildung und Schilddrüsenfunktion ausreichend Energie, gesunde Fette und Mikronährstoffe wie Zink, Jod und Selen. Mehr Cholesterin (Vorstufe der Sexualhormone) macht dabei nicht automatisch mehr Sexualhormone; der Körper ist kein Schnitzel-zu-Testosteron-Konverter. Fetter Seefisch (Omega 3!), Eier, Olivenöl, Kürbiskerne und überhaupt eine mediterrane Kost sind deshalb sinnvoller als die Hoffnung auf den erotischen Urknall aus dem Gewürzregal.

Und dann wäre da noch Maca, das in jedem zweiten Internetorakel als Liebeswurzel gehandelt wird: Die Studienlage ist nicht völlig leer, aber auch nicht berauschend. Es gibt einzelne Hinweise auf etwas mehr sexuelles Verlangen oder eine leichte Besserung der Sexualfunktion, doch für den Rang eines verlässlichen Aphrodisiakums reicht es bislang nicht.

Alkohol schliesslich gehört aus der Liste der vermeintlichen Lustmacher eher gestrichen als gefeiert: Er enthemmt zwar kurzfristig, verschlechtert aber physiologisch oft genau das, worauf es ankommt – Erregung, Lubrikation, Erektion und Orgasmusfähigkeit. Anders gesagt: Er macht lockerer im Kopf und leider oft schlapper im Becken.

Das alles sind natürlich Langzeitstrategien. Essen kann die biologischen Bedingungen für Lust und Leistungsfähigkeit verbessern – gute Gefässe, stabile Nerven, brauchbare Hormonachsen –, aber es ersetzt weder Zuneigung noch Schlaf noch eine funktionierende Kommunikation. Aber erotisches Begehren ist ja auch mehr als die schnelle Nummer …

Dr. Yael Adler ist Dermatologin, Ernährungsmedizinerin und Bestsellerautorin. Zuletzt von ihr erschienen: «Genial ernährt!», Verlag Droemer Knaur, 416 S., Fr. 34.90

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.