Der Angriff der USA und Israels auf die Islamische Republik war unausweichlich und nötig. Keiner brachte das besser auf den Punkt als der Psychologe und Extremismusforscher Ahmad Mansour, der seit Jahren vor wachsendem Islamismus in Europa warnt. «Jeder Tag, an dem das Mullah-Regime nicht angegriffen wird, ist ein weiterer Tag, an dem Menschen im Iran unterdrückt, entrechtet, ermordet und gefoltert werden. Amerika darf nicht länger zögern.»
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Der US-Präsident hatte eine Drohkulisse aufgebaut, um die Ajatollahs an den Verhandlungstisch zu bringen. Drei Runden gab es, eine in Oman und zwei in Genf. Eine vierte Runde, angekündigt für nächste Woche, erübrigt sich nun.
Denn Teheran hat die Tür zu weiteren Gesprächen geschlossen. In seiner Freitagspredigt zog Ahmad Chatami, ein einflussreicher Hardliner im Establishment, klare Grenzen für etwaige indirekte Kontakte mit Washington. Zu verhandeln gebe es kaum etwas. Irans Raketenprogramm und die Zusammenarbeit mit Stellvertretern in der Region, sprich Terrororganisationen, stünden «unter keinen Umständen» zur Disposition. Eine Aussetzung der Urananreicherung komme ebenfalls nicht in Frage; das iranische Volk werde keine Demütigung akzeptieren. Forderungen amerikanischer Verhandlungsführer wies Chatami als «arrogant» und «realitätsfern» zurück. Wer frage, warum der Iran sich nicht ergebe, verkenne den Charakter der Nation. Im Falle einer Konfrontation werde die «Front der Wahrheit» siegen. Zugleich deutete er die jüngsten Unruhen im Land als Werk einer kleinen, von aussen beeinflussten Minderheit. Die überwältigende Mehrheit hingegen stehe loyal zu Religion, Revolution und Vaterland.
Freitagsgebete im Iran sind mehr als Predigten. Sie sind Staatspolitik im Gewand göttlicher Autorität. Wenn ein ranghoher Geistlicher von der Kanzel aus die Anreicherung für nicht verhandelbar erklärt, übermittelt er die endgültige Position des Obersten Führers – über einen Kanal, der jede Diplomatie obsolet macht. Das Regime hat damit seinem Volk und der Welt signalisiert: Kapitulation kommt nicht in Frage.
Washington und Jerusalem blieben keine Wahl: Mit breitangelegten Angriffen eröffneten sie einen neuen Krieg gegen den Iran. Die Islamische Republik reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und auf US-Militärstützpunkte in mehreren Golfstaaten.
Das Regime der Ajatollahs kämpft jetzt ums Überleben. Zugleich wächst die Sorge vor einer Bodenoffensive: entweder durch direkte militärische Vorstösse an Israels Nordgrenze oder durch proiranische Milizen, die über den Jordanfluss dringen. Eine solche Bodeneskalation würde die Dynamik grundlegend verändern, den Konflikt verlängern und die Zahl der beteiligten Akteure erhöhen. Noch ist unklar, ob Teheran diesen Schritt wagt – doch die Option steht im Raum. Die Existenz des Regimes steht auf dem Spiel, und das macht es unberechenbar.