Peter Rudolf «Pepe» Lienhard ist Bandleader, Saxofonist, Flötist und Arrangeur – so weit, so richtig, aber ein wenig trocken, gibt Wikipedia sein Berufsleben wieder. Man könnte es auch überschwänglicher beschreiben: Pepe ist einer der erfolgreichsten Bandleader Europas, mit seinem Orchester begleitete er etwa Sammy Davis Jr. oder Frank Sinatra und während rund dreissig Jahren Udo Jürgens. Mit anderen Worten: Pepe Lienhard ist ein Schweizer Star. Worauf der in Lenzburg aufgewachsene ehemalige Student der Jurisprudenz (abgebrochen nach vier Semestern, weil ihn die Bühne mehr interessierte als der Hörsaal der Universität Zürich) entgegnet: «Also ein Bandleader ist nie ein Star wie zum Beispiel ein Sänger.»
GIANCARLO CATTANEO / KEYSTONE
Was er unterschlägt: Seine Laufbahn lässt sich nicht mit «Twenty Feet from Stardom» (Titel eines Dokumentarfilms über Hintergrundsänger, «etwa sieben Meter entfernt vom Ruhm») wiedergeben. Er ragte zudem als Headliner mit seinem Sextett heraus, war in den Charts, trat in grossen Fernsehsendungen auf, gab Autogrammstunden et cetera. Das war, als er mit «Swiss Lady», seinem Beitrag am Grand Prix Eurovision de la Chanson, wie die heutige ESC-Veranstaltung 1977 hiess, Platz sechs pour la Suisse belegte. Das Lied, das in der Schweiz ein Hit wurde, ist übrigens nicht von ihm selbst komponiert, sondern von Peter Reber; Pepe ist kein Songwriter.
Doch nicht bloss beruflich lief es bei Lienhard rund, auch privat gibt es viel, über das er sich freuen darf. Mit seiner Frau Christine – er heiratete vor acht Jahren zum zweiten Mal, aus seiner ersten Ehe hat er zwei Töchter – bewohnt er ein über 200-jähriges Bauernhaus am Rande von Frauenfeld, wo es auch Hühner und andere Vögel sowie Kaninchen gibt (das Halten dieser ist eines seiner Hobbys). Er sei ein Thurgau-Fan geworden, sagt er, seit er die Gegend kennengelernt habe. «An den Dialekt gewöhnt man sich übrigens auch – obwohl, als Aarauer sollte ich darüber wohl keine Witze machen.»
Der Begriff «Unruhestand» ist zu viel benutzt im Allgemeinen, doch bei Pepe trifft er zu. «Ich habe immer Ferien. Aber ich bin auch immer Musiker», antwortete er mal, als ich ihn nach seinem Tagesablauf fragte. Damals war er busy, wegen Udo Jürgens’ bevorstehenden 80. Geburtstags, heute erreicht er selbst diese Wegmarke. Und feiert sie auf seine Art: Er hat ein «Celebration» Doppel-Album mit Aufnahmen aus über sechzig Bühnen-Jahren herausgebracht. Und im Mai sowie Juni findet seine Celebration-Tour statt, er und die Big Band, sein grosses Orchester, treten in über zehn Schweizer Städten auf.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Pepe – und rock, pardon: swing on.