«Er hat geliefert»: Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt argumentiert, warum die europäischen Rabbiner Trump für den Friedensnobelpreis vorschlagen
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«Er hat geliefert»: Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt argumentiert, warum die europäischen Rabbiner Trump für den Friedensnobelpreis vorschlagen

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«Er hat geliefert»: Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt argumentiert, warum die europäischen Rabbiner Trump für den Friedensnobelpreis vorschlagen
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Wenn Europas Politik scheitert, wird sie gern moralisch. Wenn andere dann liefern, betrachten die Gescheiterten sie oft als verdächtig. Und wenn Donald Trump Frieden vermittelt, wird es erst recht kompliziert. Für Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, ist die Sache hingegen erstaunlich klar: «Trump hat etwas geschafft, woran viele vorher gescheitert sind: Er hat Ergebnisse geliefert.»

ROLF VENNENBERND / KEYSTONE
«Er hat geliefert»: Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt argumentiert, warum die europäischen Rabbiner Trump für den Friedensnobelpreis vorschlagen
ROLF VENNENBERND / KEYSTONE

Die Initiative der jüdischen Geistlichen, Trump für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen, ist für Goldschmidt kein PR-Stunt – sondern eine Abrechnung mit einer Diplomatie, die Haltung mit Wirkung verwechselt. «Unsere Initiative würdigt seine gesamte Bilanz zwischen dem Kaukasus und dem Nahen Osten: eine Diplomatie, die auf Resultate zielt – und nicht auf Rituale.» Gemeint sind nicht nur die Vermittlungen rund um Israel und Gaza, sondern vor allem die Abraham-Abkommen, die die Isolation Israels in der Region beendeten und den Weg für diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen ebneten. «Trump hat gezeigt, dass mutige Diplomatie Geschichte verändern kann», sagt Goldschmidt gegenüber der Weltwoche.

Europa dagegen? Es habe sich selbst aus dem Spiel genommen. «Leider haben sich viele europäische Führungspersönlichkeiten im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Israel und der Hamas selbst ins Abseits gestellt», sagt Goldschmidt. «In dem Moment, in dem sie für eine der beiden Seiten nicht mehr als Gesprächspartner galten, hörte auch ihr Einfluss auf.» Übersetzt: Wer moralisiert, statt zu vermitteln, wird irrelevant.

Der Zeitpunkt der Nobelpreis-Initiative ist brisant – Trumps Ukraine-Kurs sorgt in Europa derzeit für Schnappatmung. Doch Goldschmidt bleibt nüchtern: «Unsere Empfehlung basiert ausschliesslich auf seinen Errungenschaften im Nahen Osten.» Für die Ukraine sieht er die Lage deutlich komplizierter: «Es wird wesentlich schwieriger sein, Russland – eine nukleare Supermacht – und die Ukraine zu Kompromissen zu bewegen.»

Goldschmidt weiss, wovon er spricht. Jahrzehnte lebte er in Moskau. Wladimir Putins Denken kennt er aus der Nähe – und widerspricht westlichen Narrativen. «Die Invasion der Ukraine hat nur sehr wenig mit der Angst vor der Nato zu tun.» Putins Projekt sei imperial: «Er erhält seine Popularität aufrecht, indem er verspricht, das russische Imperium wiederherzustellen.» Ein endloser Krieg ohne Resultate, so Goldschmidt, gefährde eher das Regime als der Westen.

Umso bemerkenswerter seine Haltung zur europäischen Aufrüstung. Goldschmidt ist kein Pazifist aus Bequemlichkeit, sondern einer mit Erfahrung von Unfreiheit: «Ich halte den Kurs, die Verteidigungsfähigkeit Europas wiederherzustellen, für richtig.» Und er fügt hinzu: «Stärke dient nicht der Eskalation, sondern der Prävention. Das ist leider die einzige Sprache, die in Moskau verstanden wird.» Er fügt hinzu: «Europa hat lange gedacht, Geschichte sei etwas für Schulbücher. Russland hat diese Illusion zerstört.»

Ist Trump ihm näher als europäische Politiker? Goldschmidt antwortet wie ein Realist, nicht wie ein Fan: «Wenn wir über den radikalen Islam und den Iran sprechen, haben wir das Gefühl, dass die US-Regierung ein besseres Verständnis der Gefahren hat. Wenn wir über die Ukraine sprechen, hat Europa das bessere Verständnis.» Keine Romantik. Nur Interessen und Erfahrung. Bis zu einem Frieden werde es noch lange dauern, glaubt Goldschmidt: «Die Vorschläge, die im Raum stehen, sind für die Ukraine schwer akzeptabel – und das weiss jeder, der ehrlich ist. Die Ukrainer werden daher weiterkämpfen.» Wenn Trump jetzt versuche, einen Ausweg zu finden, werde er noch viele Frustrationsmomente mit Moskau erleben. Vielleicht zeige sich am Ende, dass er – trotz aller Rhetorik – der Ukraine näher stehe als Moskau. «Denn Frieden entsteht nicht durch Kapitulation, sondern durch glaubwürdige Garantien.»

Dass der Vorschlag, Trump zu nominieren, in den meisten Medien als «umstritten» tituliert wird, nimmt er als Auszeichnung. «Wenn niemand protestiert, hat man nichts Bedeutendes getan.» «Umstritten» sei «das Lieblingswort einer politischen Kultur, die Angst vor klaren Positionen hat». Die Abraham-Abkommen seien auch umstritten gewesen – «heute gelten sie als eines der erfolgreichsten Friedensprojekte unserer Zeit».

Und Trump? Ein Heiliger? Keineswegs. Goldschmidt erinnert kühl: «Die Kriterien für den Friedensnobelpreis sind andere. Jassir Arafat war ein Erzterrorist – und erhielt den Preis dennoch.» Frieden ist keine Charakterfrage. Sondern eine Leistungsfrage. Oder, wie Goldschmidt sagt: «Er hat geliefert.»

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