Wenn es in der Mitte-Partei irgendein Amt zu vergeben gab, erhoben die Mitte-Frauen jeweils schnell und laut einen Anspruch – und sei es nur schon für eine ausgewogene Geschlechteraufteilung in der Findungskommission.
Die Mitte-Frauen betonten zwar immer wieder, dass sie «zahlreiche hervorragende Frauen» in ihren Reihen haben. Für die zwei wichtigsten Ämter der Partei, den Sitz im Bundesrat sowie das Parteipräsidium, meldete sich aber keine einzige Mitte-Frau.
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Nun konnten die Frauen mit Yvonne Bürgin immerhin das drittwichtigste Amt der nationalen Partei, das Fraktionspräsidium im Bundeshaus, erobern. Die Zürcher Nationalrätin wird dadurch eine der wichtigsten Figuren unter der Kuppel.
Nach dem völlig verunglückten und sehr kurzen Gastspiel von Andrea Gmür-Schönenberger 2020/2021 könnte Bürgin die erste Frau werden, die länger als 15 Monate in diesem Amt bleibt. Angesichts dieser historischen Wahl erstaunt es, dass danach von den Mitte-Frauen rein gar nichts zu hören war.
Weder von Gmür-Schönenberger noch Marianne Binder, Elisabeth Schneider-Schneiter oder Nicole Barandun – allesamt engagierte Viel-Twitterinnen – war in den Stunden danach etwas zu vernehmen. Auch die offiziellen Kanäle der Mitte-Frauen blieben vorerst stumm.
Vielleicht haben die Mitte-Frauen nach der vollends gescheiterten Ära der ersten VBS-Chefin Viola Amherd (mit Brigitte Hauser-Süess) ihre Strategie geändert: zuerst liefern und erst dann fordern. Es kann nur besser werden.