Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Eintagsfliege Nemo: Warum der nonbinäre Zauber verflogen ist

Die Welt schien ihm zu Füssen zu liegen – oder zumindest der intersexuelle Teil davon. Mit dem Siegersong am Eurovision Song Contest hatte er nicht nur den musikalischen Code geknackt; auch politisch rannte er (offene) Türen ein. Er – oder es – wurde von Bundesrat Beat Jans empfangen, verlangte die Einführung eines dritten Geschlechts und damit eine Revision der Schweizer Verfassung.

CHRISTIAN MERZ / KEYSTONE
Nemo performt den Siegersong des Eurovision Songcontests anlaesslich des Pride Festival auf der Landiwiese am Freitag, den 14
CHRISTIAN MERZ / KEYSTONE

In Funk, Fernsehen und geschriebenen Medien wurde plötzlich der Sprachgebrauch geändert. War von ihm die Rede, wurde auf den (grammatikalischen) Artikel verzichtet: Nemo ritt mit schwindelerregenden Tempo auf der woken Welle des Zeitgeists.

Doch anders als auf der Bühne des ESC-Finals, wo er elegant auf einem drehenden Kreisel balanciert hatte, verlor er im realen Leben das Gleichgewicht. Bei kritischen Fragen brach er die Interviews ab, unliebsamen Medien gab er schon gar keine Antwort, an Konzerten sprach er ein Fotoverbot aus – und für eine konventionelle Weltanschauung hatte er kein Verständnis. Dennoch: Nemo besass noch immer grosses Potenzial, sich in den Herzen der Schweizerinnen und Schweizer festzusetzen.

Doch dann unterlief ihm ein schwerer Fehler. Er vergass, weshalb er quasi über Nacht an die mediale Oberfläche und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gespült worden war: wegen eines genialen Songs und eines starken sängerischen Auftritts.

Auch deshalb warteten die Fans sehnlichst auf weitere Charthits. Und Nemo kündigt alles an, was das Herz begehrte: eine Europa-Tournee, TV-Auftritte – und sein erstes Album. Bisher ist es bei den Versprechen geblieben. Geliefert hat der Bieler Barde nur eine einzige Single.

Dabei dürfte es bis auf weiteres bleiben: Die schon lange versprochene Europa-Tournee ist auf den Herbst verschoben, auf das Album wartet man vergebens, seine Band hat er komplett ausgewechselt – und auch das Verhältnis zu seinem Management ist gekappt.

Mit anderen Worten: Nemo Mettler aus Biel demontiert sich selber. Er droht so zu enden, wie es vor ihm schon manchem ESC-Sternchen ergangen ist: als One-Hit-Wonder (Eintagsfliege). Die öffentliche Bestürzung darüber dürfte sich in Grenzen halten. Wer nichts produziert (und sich in die künstlerische Selbstisolation flüchtet), kann auch nicht vermisst werden.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.