AfD-Chef Tino Chrupalla hat in der ZDF-Talkshow Markus Lanz den US-Präsidenten Donald Trump hart für dessen Vorgehen im Iran kritisiert. Das sei ein «grosser Fehler».
Chrupalla spricht vielen aus dem Herzen, die sich nach einer friedlicheren Welt sehnen. Aber er macht einen Denkfehler, dem viele deutsche Beobachter erliegen: Er legt moralische Massstäbe an eine Welt an, die nach der knallharten Logik nationaler Interessen funktioniert.
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Trump vollzieht keinen Bruch mit der US-Aussenpolitik; er tut lediglich das, was frühere Präsidenten zwar sagten, aber nie umzusetzen wagten. Für die USA und insbesondere für Israel ist der Iran eine existenzielle Bedrohung ihrer Sicherheitsinteressen. Man kann von Israel nicht erwarten, freundschaftliche Beziehungen zu einem Regime zu pflegen, dessen erklärte Staatsräson es ist, Israel von der Landkarte zu wischen. Das sind Realitäten, keine Diskussionsvorschläge.
Natürlich haben die Amerikaner in der Vergangenheit Fehler gemacht, und ja, es gibt kein «Naturrecht», Regimes zu stürzen. Aber Aussenpolitik gehorcht nicht den Gesetzen eines Debattierclubs, sondern der Überlebenslogik. Trump hat stets gesagt: Führe nur Kriege, die du auch gewinnen kannst. Er steht nun unter dem Zwang, diesen strategischen Sieg einzufahren, weil jede Schwäche ein Triumph für Teheran wäre.
Hier liegt der Punkt, an dem Chrupalla falsch abbiegt: Es ist nicht die Aufgabe deutscher Politiker, aus der bequemen Distanz der Zuschauerbank Noten für die amerikanische Aussenpolitik zu verteilen.
Was in der Diskussion um den Nahen Osten nötig wäre, ist nicht Kritik an Trump, sondern ein Verständnis für nationale Interessen – auch für die eigenen. Anstatt die Amerikaner zu belehren, sollte sich Tino Chrupalla fragen: Was ist im Interesse der Bundesrepublik?
Kurzum: Tino Chrupalla hat recht, wenn er eine unabhängige deutsche Position fordert. Er liegt jedoch falsch, wenn er Trump für eine Politik kritisiert, die schlichtweg amerikanische Interessen schützt. Wir sollten aufhören, die Welt durch die Brille der moralischen Empörung zu betrachten, und stattdessen anfangen, unsere eigenen Hausaufgaben zu machen. Weniger Weltlehrer, mehr Realpolitik.