In Deutschland ist ein organisiertes Betrugsnetzwerk bei Sprach- und Einbürgerungstests aufgeflogen. Laut Polizeiangaben aus Nürnberg sollen Migranten bis zu 6000 Euro bezahlt haben, um sich mithilfe von professionellen Stellvertretern die begehrten Zertifikate zu erschleichen, eine Voraussetzung für Aufenthaltserlaubnis oder Einbürgerung.
Die Masche: Die mutmasslich Beteiligten nutzten gefälschte Ausweise, auf denen zwar das Foto des jeweiligen Geprüften, aber die Daten des eigentlichen Antragstellers standen. So konnten die falschen Kandidaten nicht enttarnt werden. Die Prüfstellen stellten echte Zertifikate aus – in gutem Glauben, aber auf falscher Grundlage. Die Ermittler sprechen von einer neuen Dimension des Missbrauchs: Bereits zuvor habe es Fälle mit gefälschten Sprachzertifikaten gegeben, nun aber würden die Prüfungen selbst manipuliert.
Marijan Murat/DPA/Keystone
Wie die Welt berichtet, handelt es sich beim Hauptverdächtigen um einen 39-jährigen Iraker, der als Vermittler fungiert haben soll. Er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Ein weiterer Tatverdächtiger – ein 22-jähriger Deutscher – wurde beim Versuch erwischt, eine solche Stellvertreterprüfung abzulegen. In einer Sprachschule in Nordrhein-Westfalen entlarvte die Polizei im Dezember gleich zehn falsche Prüflinge auf einen Schlag.
Die Ermittlungen betreffen laut Behörden das gesamte Bundesgebiet. Es sei bereits jetzt mit einer hohen zweistelligen Zahl weiterer Verfahren zu rechnen.