Drei Tage haben gereicht, um die goldene Illusion zu beenden. Was eben noch als sicherer Hafen galt, sieht jetzt aus wie ein sinkender Luxusliner: Es geht ums Gold. Sein Preis ist seit Mittwoch um mehr als 6 Prozent abgetaucht – der heftigste Einbruch seit mehr als zehn Jahren. Wie konnte das passieren?
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Es liegt am grotesken Aufstieg. Über 60 Prozent Plus in diesem Jahr – ein Metall, das sich gerne als Hort der Stabilität ausgibt, legte sich plötzlich das Kostüm eines Meme-Stocks an. Das Bedürfnis nach Sicherheit hatte sich in Spekulation verwandelt, der «sichere Hafen» in ein Spielcasino mit glänzenden Chips.
Nun hat der Markt zurückgeschlagen. Der US-Dollar hat zugelegt, Anleger haben Gewinne eingestrichen, und die Angst, die Gold jahrelang gefüttert hat, weicht einem zaghaften Optimismus. Die Welt geht eben nicht jeden Tag unter – und wenn sie mal durchatmet, fällt der Goldpreis.
Das Schöne am Gold war immer seine Ruhe. Es glitzerte, aber es schrie nicht. Es lag da, schwer und würdevoll, während Aktien, Anleihen und Politiker sich ständig überschlagen. Doch diese Ruhe ist seit Monaten dahin. Der Goldpreis schwankt wie ein Teenager auf Energy Drinks, getrieben vom endlosen Reflex der Zocker, jeden Trend zu überdrehen. Der Glanz des Ewigen ist zum Funkeln des Augenblicks geworden. Anleger, die sich einst auf Gold als Versicherung gegen die Dummheit der Märkte verliessen, merken nun: Das Metall ist selbst dumm. Es folgt der Herde – rauf, runter, ohne Haltung.
Gold war einmal das Symbol für Beständigkeit ohne Wankelmut. Heute ist es das Symbol für Nervosität mit Tradition. In den Tresoren der Notenbanken mag es weiterhin liegen, tonnenschwer und unverrückbar. An den Börsen aber ist es längst zu einem Spielball geworden – einer gelb schimmernden, rasant fliegenden, manchmal platzenden Seifenblase.
Der grösste Witz: Selbst das Edelste bleibt nicht edel, wenn genug Menschen darauf wetten, dass es morgen noch glänzt. Gold ist nicht mehr die letzte Zuflucht der Vorsichtigen, sondern das neueste Spielzeug der Ungeduldigen. Und das rächt sich gerade.