Donald Trump hat wieder hingelangt. Mit Worten: «Eure Länder gehen in die Hölle», hat er den Europäern zugerufen. Für ihn ist Migration wie ein Fieber, das den alten Kontinent erfasst hat. Hart, grell, apokalyptisch – so klingt Trump, wenn er die Welt beschreibt.
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Aber er kann auch anders: Zwischen den donnernden Worten gegen Europa blitzte ein Lichtstrahl auf Deutschland. Fast zärtlich, zumindest für trumpsche Verhältnisse, lobt er die Bundesregierung: Berlin habe den «kranken Weg» bei Migration und Energie verlassen. Er zollt «grossen Respekt», weil Deutschland angeblich zurückkehrt zu fossilen Brennstoffen und zur Atomkraft.
Autsch.
Ja, Kohlekraftwerke sind in Krisenzeiten reaktiviert worden, weil russisches Gas nicht mehr geflossen ist. Ja, die Merz-Regierung hat beim Thema Migration einen schärferen Ton angeschlagen. Aber Atomkraft? Deutschland hat sie beerdigt.
Trumps Lob war also nicht von besonders tiefem Fachwissen geprägt. Dazu kommt: Trump zollt heute Respekt, aber morgen schon kann er wieder Spott ausschütten. Mal ist Europa sein Gegner, mal sein Verbündeter. Die politische Linie? Es gibt bei Trump nicht wirklich eine. Verlassen kann man sich bei ihm nur auf seinen Geschäftssinn.
Deswegen gilt: Weder Lob noch Tadel aus Washington dürfen zum Kompass werden. Ein Land, das sich ernst nimmt, definiert seinen Kurs selbst – jenseits der Launen eines US-Präsidenten, gleich ob er Trump heisst oder anders. Nur ein eigener Weg, der weder blindes Anpassen noch störrisches Abschotten kennt, macht stark.
Trumps Lob? Es ist ein Zwischenruf. Ein Wetterleuchten. Aber längst kein Wetterbericht.